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Neuss: Geerlings baut Fraktion um

Neuss : Geerlings baut Fraktion um

Auf den Verlust des Landtagsmandats folgte die Phase des Nachdenkens. Inzwischen hat Jörg Geerlings seine Arbeit als Anwalt verstärkt, politisch will er die CDU-Ratsfraktion umstrukturieren, um ihr neuen Schwung zu verleihen.

Streicheleinheiten erhalten Verlierer selten. Besonders in der Politik. So fällt es auf, wenn die resolute Stellvertreterin den angeschlagenen Chef lobt. "Wir können keinen besseren Fraktionsvorsitzenden als Jörg Geerlings haben", sagt Ingrid Schäfer, "die Fraktion ist froh, dass sie ihn hat." Wer derart lobt, der erwartet, dass der Angesprochene Verantwortung übernimmt und sich vor den Karren spannt. Das hat Jörg Geerlings bei der CDU-Mitgliederversammlung in Aussicht gestellt: Die Ratsfraktion erhält wieder einen dritten stellvertretenden Vorsitzenden und einen Pressesprecher, um der Arbeit neuen Schwung zu verleihen.

Ferien, Schützenfest — erst am 10. September tagt wieder die CDU-Ratsfraktion. Das ist noch etwas hin, das ist aber auch der späteste Termin, an dem sich Jörg Geerlings kraftvoll zurückmelden muss, will er die Landtagswahl hinter sich lassen. Der 13. Mai hat seinem Leben eine neue Wendung gegeben. Er verlor nach nur zwei Jahren das Direktmandat. Beruflich ("Ich war immer in der Kanzlei") hat der Jurist seine Tätigkeit wieder "hochgefahren". Er ist ein gefragter Berater und Gutachter.

In Partei und Fraktion will Jörg Geerlings nach der Sommerpause unter dem Leitwort "mehr Dialog" über intensive Gespräche für Lebendigkeit und Dynamik, aber auch für neue Ideen und Motivation sorgen. Für seinen Vorschlag, den vakanten dritten Vize-Posten wieder zu besetzen, erhält Geerlings viel Zustimmung. Neben Ingrid Schäfer sprechen auch Helga Koenemann und Joachim Goerdt von einem "richtigen Zeichen, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen." Goerdt, der intern als "strategischer Kopf" gilt, wird immer wieder genannt, wenn nach geeignetem Führungspersonal gesucht wird. "Ich würde mich nicht verweigern", sagt Goerdt, "aber ich würde gern Jüngeren den Vortritt lassen." Er wird demnächst 64 Jahre alt. Auch Helga Koenemann ist zur stärkeren Mitarbeit bereit ("Dafür benötige ich aber keine Funktion"), will aber die Personaldebatte nicht eröffnen. Sie empfiehlt inhaltlich zu arbeiten ("Was können wir überhaupt noch finanzieren?") und in die Zukunft zu schauen: "Wer als Leistungsträger für die Zeit nach der Kommunalwahl 2014 in Frage kommt, den sollten wir schon jetzt fördern und unterstützen."

Für Jörg Geerlings beginnen im September als Chef der Neusser CDU auch lange Jahre des Dauer-Wahlkampfes: 2013 Bundestagswahl, 2014 Europa- und Kommunalwahl, 2015 Bürgermeisterwahl — Diskussion um die Kandidaten-Aufstellung inklusive. Gleichzeitig kündigt er an, dass er und seine CDU-Mannschaft verstärkt "vor Ort" sein werden: "Wir werden noch näher bei den Bürgern sein."

(NGZ/ac)