Neuss: Gedenken an Hein Minkenberg

Neuss: Gedenken an Hein Minkenberg

Neuss Heute vor 40 Jahren verstarb im Johanna-Etienne-Krankenhaus der bekannte niederrheinische Bildhauer Hein Minkenberg. Seine Kunstwerke stehen in vielen Städten, Orten und Kirchen am Niederrhein. In Neuss hat vor allem die Mariengemeinde sehr viele Minkenberg-Kunstwerke von den 1920er bis in die 1960er Jahre - Grund genug für die Pfarrgemeinde, einen Hein-Minkenberg-Tag auszurufen, der am 15. November stattfinden wird. Den Auftakt macht um 10 Uhr ein Gedenkgottesdienst, anschließend enthüllen die Heimatfreunde eine bronzene Gedenktafel am Hauptportal der Kirche, und die Pfarrgemeinderat stellt eine 52-seitige Broschüre zu Minkenbergs Werken in der Marienkirche vor.

In Heinsberg geboren

Hein Minkenberg wurde am 12. März 1889 in Heinsberg geboren. Nach dem Besuch der Volksschule nahm er Zeichenunterricht, machte aber zunächst eine Bildschnitzer-Lehre, ging ab 1905 auf Wanderschaft. 1916 heiratete er in Paderborn Maria Elisabeth Schulte und das junge Paar zog nach Rheindahlen bei Mönchengladbach, wo Hein Minkenberg im Steinmetzbetrieb seines Bruders Gerhard arbeitete.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs begann Minkenberg mit ersten künstlerischen Arbeiten. Er orientierte sich an seinem Vorbild Ernst Barlach, entwickelte aber einen eigenen Stil. In Mönchengladbach lernte er Dr. Kaesbach, den späteren Leiter der Düsseldorfer Kunstakademie, kennen. Damals entstanden erste Arbeiten, darunter auch die in St. Marien stehende Pietà, wobei er der Schmerzensmutter die Züge seiner im Jahr 1912 verstorbenen Mutter verlieh.

In Wesel gehörte Minkenberg mit Heinrich Campendonk und anderen zur Gruppe um den kunstsinnigen Priester Augustinus Winkelmann in Marienthal, die in einem alten Augustinerkloster des 13. Jahrhunderts Zellen, Kirche und Friedhof ausgestalteten.

1925 trat er bei der Ausstellung "Christliche Kunstwerke von zeitgenössischen Künstlern des Niederrheins" in Mönchengladbach zum ersten Mal mit seiner Pietà an die Öffentlichkeit. 1928 holte Professor Rudolf Schwarz Hein Minkenberg an die Kunstgewerbeschule in Aachen, wo er als Professor die Bildhauerklasse bis zur Schließung 1934 und seiner Entlassung als "entarteter Künstler" unterrichtete.

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Die Familie zog nach Büttgen; Minkenberg fand in der Neusser Familie Werhahn Förderer, die ihm zwei Räume in einer leerstehenden Villa an der Brückstraße als Atelier zur Verfügung stellte. Als 1943 das Atelier abbrannte, ging Minkenberg zunächst zurück nach Rheindahlen, brachte seine Familie in der Eifel unter und kehrte nach einem Abstecher über den Bodensee 1947 nach Neuss zurück. In der alten Mädchenberufsschule am Hamtorwall stellte ihm die Stadt ein Atelier zur Verfügung - dort entstand auch der Hochaltar für St. Quirin, der nach der Liturgiereform zerstört wurde.

Im Christentum tief verwurzelt

1952 schließlich bezog er sein letztes Atelier an der Steinhausstraße, schuf dort unter anderem den dreieinhalb Meter großen Engel mit Posaune für die Christ-König-Kirche und viele Werke für das Collegium Marianum, so dass dafür schon der Begriff "Minkenberg-Museum" geprägt wurde. Fünf Jahre nach dem Tod seiner Frau Lisbeth heiratete er 1958 seine frühere Schülerin, die Keramikerin und Bildhauerin Martha Sträter. Diese ließ das Atelierhaus zum Wohnhaus umbauen und so zog Minkenberg nun in die Nachbarschaft zu seinem Freund, dem Maler Wilhelm Küppers.

Der tief im christlichen Glauben verwurzelte Künstler wollte in seinen späteren Jahren an keiner Ausstellung mehr teilnehmen. Seine Kunst solle dort besichtigt werden, wofür er sie geschaffen habe, fand er: in Kirchen und auf Friedhöfen. Hein Minkenberg, der an einem Bronchialasthma litt, erkrankte plötzlich im November 1968 schwer. Nach seinem Tod wurde er in seiner Geburtsstadt Heinsberg in einem Ehrengrab beigesetzt.

Info Dr. Helmut Gilliam ist Vorsitzender des Pfarrgemeinderats von St. Marien und sitzt im Vorstand der Heimatfreunde Neuss.

(NGZ)
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