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Neuss: Gaststätten rüsten sich fürs Rauchverbot

Neuss : Gaststätten rüsten sich fürs Rauchverbot

Seit Mittwoch-Mitternacht gilt das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz. Geraucht werden darf nur vor der Tür. In den Gaststätten wurden Aschenbecher weggeräumt und Extra-Räume teils abgerissen. Verschärfte Kontrollen wird es nicht geben.

Exakt um 0 Uhr endete die Ära vom Bierchen und dem netten Beisammensein in der Kneipe inklusive Zigarette, und gleichzeitig nimmt die Angst vieler Neusser Gastronomen Gestalt an: In Form von Mitarbeitern, die ein für allemal selbst aus den abgetrennten Raucherbereichen die Aschenbecher wegräumen und Handwerken, die Schilder wie "Raucherbereich" abmontieren oder gar ganze Räume einreißen. So ist es auch bei den Neusser Gastronomen Rexhaj: Wurden andernorts, nachdem das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz in Kraft trat, das keinerlei Ausnahmen mehr zulässt, die letzten Glimmstengel ausgedrückt und verzog sich der letzte Rauch nach und nach, bleibt das Café Extrablatt am Markt geschlossen.

Um den Rauch zu verbannen, muss es dort erst einmal kräftig stauben: Den gut 40 Quadratmeter großen Raucherraum lassen die Betreiber Hirje und Hajdar Rexhaj abreißen. Er wird nicht mehr gebraucht. "Die Handwerker arbeiten dort seit Montag, bis spätestens Freitagmorgen soll alles fertig sein", sagt Hirje Rexhaj. 12 000 Euro hatte es gekostet, den Raum mit Glaswänden für die Raucher aufzubauen, der Abriss jetzt kommt die Neusser Gastronomen laut Chefin Hirje Rexhaj vermutlich ähnlich teuer zu stehen. Allerdings nutzen sie die Gelegenheit und lassen gleich noch die Wände neu machen und das Parkett abschleifen. Auch neue Sitzpolster wurden angeschafft. Der neuen Regelung sieht Hirje Rexhaj trotz der sowieso geplanten optischen Überholung ihres Betriebes mit gemischten Gefühlen entgegen. "Ein Großteil unserer Kunden sind Raucher. Da müssen wir abwarten, wie sich das entwickelt." Ähnlich zurückhaltend ist auch Dehoga-Sprecher Thorsten Hellwig. "Ob die Gäste, die am Anfang bestimmt wegbleiben werden, wiederkommen ist völlig offen", sagt er.

Wirklich problematisch sei das vor allem für kleine Betriebe, bei denen teils mehr als 80 Prozent der Kunden Raucher sind. Solch kleine Gaststätten haben nicht so einen langen Atem, mögliche Einbußen in der Startphase aufzufangen. Ein weiteres Problem sieht Hellwig bei den Lösungen, wie sie jetzt viele Wirte anstreben: dem Raucherpavillon vor der Kneipe. "Ein Gastronom erzählte mir, dass er sein Geschäft eigentlich allein führen kann, aber dadurch braucht er ständig noch eine Arbeitskraft, die auf die Gäste draußen achtet", sagt Hellwig. Denn wenn die rauchenden Gäste draußen nach zwei drei Alt, Pils und Kölsch nicht mehr ganz leise sind, ist auch der Wirt in der Pflicht. "Auf den Lärmpegel müssen die Wirte achten", bestätigt Ordnungsamtsleiter Uwe Neumann.

Da die Zigarette in der Regel auch nicht wortlos geraucht werde, hält Neumann Konflikte mit Nachbarn wegen Lärmbelästigung für möglich. Im Vorfeld seien zu der gesamten Thematik aber Info-Briefe an die 310 Gastronomen verschickt worden. Verschärfte Kontrollen durch die elf städtischen Außendienstmitarbeiter wird es aber laut Neumann erst einmal nicht geben. "Wir kontrollieren so, wie wir es vorher auch getan haben."

(NGZ/ac/url)