Neuss: Gastgeber für 1000 Ärzte

Neuss: Gastgeber für 1000 Ärzte

Professor Peter Goretzki, Chefarzt am Neusser Lukaskrankenhaus, soll den Jahreskongress seiner Zunft im Jahr 2013 vorbereiten und leiten. Dabei werden gerade Chirurgen von ihren Kollegen gern als Handwerker belächelt.

Dieser Mann ist zur Selbstironie fähig. "Ein Chirurg muss groß, ernsthaft und stark sein. Ich bin all das nicht", sagt Professor Peter Goretzki, seit neun Jahren Chefarzt der Chirurgischen Klinik I am städtischen Lukaskrankenhaus. Auch dass er in etlichen Gesellschaften seines Berufsstandes gefragt und oft sogar in exponierter Funktion tätig ist, tut der 58-Jährige gerne mit einem Lachen ab. "Man wird halt alt." Und doch gibt es da etwas, über das der Arzt ganz ernsthaft sagt: "Darauf bin ich richtig stolz".

Gemeint ist seine Ernennung zum Tagungspräsidenten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Denn Goretzki ist weder Internist, noch Ordinarius an einer Universität — sondern "nur" Chirurg. Und diese "schneidenden Kollegen" blieben bei dieser Personalentscheidung immer unberücksichtigt. "Wir Chirurgen werden gerne als Handwerker belächelt, die tun, was man ihnen aufträgt", zieht er den Trennstrich deutlich nach.

2013 nun soll Goretzki — als zweiter Chirurg in der 46-jährigen Geschichte der Gesellschaft — den Fachkongress aller Ärzte in Deutschland, die sich auf Drüsen- und Stoffwechselerkrankungen spezialisiert haben, leiten. Und vorbereiten. Deshalb erfolgte die Berufung schon jetzt. Denn Goretzki muss die Tagungs-Themen vorgeben, Referenten gewinnen, Gäste einladen. Und er ist schon recht weit damit. Die endogene Chirurgie des Kindes will er thematisieren, die hormonell bedingte Unterzuckerung auch. Und die Theoretischen Modelle in der Erforschung von Schilddrüsen-Erkrankungen.

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Themen für einen Kreis von Fachleuten, wissenschaftliche Themen. Aber diese Arbeit ist Goretzki, der auch nach seinem Wechsel von der Düsseldorfer Universität in die Chefarztposition am Lukaskrankenhaus die klinische Forschung nicht aufgab, nach wie vor wichtig. Wichtiger als Chefarztbesprechungen mit Krawattenzwang, zu denen er nicht mehr geht, wichtiger auch als etwa das Ziel, ärztlicher Geschäftsführer zu werden. "Machtmensch bin ich nicht", sagt Goretzki. "Da operiere ich lieber."

Als Arzt und Wissenschaftler ist der gebürtige Berliner Gorezki Präsident der niederrheinisch-westfälischen Chirurgen, richtet den Fortbildungskongress der internationalen Gesellschaft für Endokrine Chirurgie aus und ist Sprecher seiner Zunft bei den jährlichenUp-date-Veranstaltungen. Und international ist er ein gefragter Referent, wurde auch schon mal an die amerikanischen Harvard-Universität eingeladen. "Erstaunlich", kommentiert das der Professor. Und weil er keinen Eindruck damit schinden möchte, schiebt er nach: "Der Titel ist geschenkt."

(NGZ)