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Neuss: Fußgängerweg nicht zu erreichen

Neuss : Fußgängerweg nicht zu erreichen

Die Autobahnbrücke an der Morgensternsheide hat einen Gehweg, der nicht benutzt werden kann. Eine Leitplanke sperrt den Bürgersteig ab. Die Anwohner sprechen von einem "Schildbürgerstreich".

Wenn Hannelene Volkers über die Autobahnbrücke auf der Morgensternsheide geht, kann sie den Fußgängerweg nicht benutzen: Der neu gepflasterte Bürgersteig wird von einer Leitplanke versperrt. Stadtverwaltung und Landesbetrieb StraßenNRW halten das für notwendig, Hannelene Volkers und ihre Nachbarn auf der Morgensternsheide sprechen von einem Schildbürgerstreich. Sie verstehen nicht, warum sich Fußgänger und Radfahrer mit den Autofahrern die Straße teilen müssen. Statt auf dem Gehweg überqueren sie die Brücke auf einem schmalen Seitenstreifen, der nur mit einer Markierung von der Fahrbahn getrennt ist.

"Ich finde das viel zu gefährlich", sagt Hannelene Volkers. "Zumal viele Autofahrer hier mit über 50 km/h durchbrettern." Die Stadtverwaltung dagegen ist vom Gegenteil überzeugt: Auf der Strecke auf dem Holzbüttgener Weg sei die Verkehrsbelastung gering, sagt Norbert Jurczyk vom Amt für Verkehrsangelegenheiten – immerhin sei die Straße nur für Anlieger frei. "Die Leitplanke ist die sicherste Lösung", sagt Jurczyk. Bei dem vermeintlichen Gehweg handele es sich nämlich um eine Pufferzone: Die solle verhindern, dass zu nah am Rand der Brücke geparkt werde – "denn dafür ist die Statik nicht ausgerichtet", sagt Jurczyk.

"Wer parkt denn bitte auf einer Brücke?", fragt Hannelene Volkers. Sie hält die Begründung der Stadt für vorgeschoben. "Da ist falsch geplant worden", glaubt die 52-Jährige. "Auf der alten Brücke gab es auch einen ganz normalen Gehweg", erzählt Volkers. Parkende Autos habe sie damals nie beobachten können. Dafür ist das Problem des Durchgangsverkehrs schon seit Jahren bekannt: Gerne wird die Autobahnbrücke als Schleichweg genutzt, weil sie eine gute Abkürzung in Richtung Kaarst ist – etwa auf dem Weg zu Ikea.

Gebaut wurde die Brücke vom Landesbetrieb StraßenNRW. Die Zuständigkeit für den Fußweg sieht Projektleiter Landesbetrieb Jochen van Bebber allerdings bei der Stadt Neuss. "Grundsätzlich ist die Pufferzone für Fußgänger offen", erläutert van Bebber. Allerdings dürfe die Leitplanke, die den Zugang versperrt, nicht gekürzt werden. Das schreiben Sicherheitsvorschriften vor. "Der Bürgersteig müsste so weit ausgebaut werden, dass er vor der Leitplanke beginnt", erläutert der Projektleiter. Der jetzige Seitenstreifen sei bei der Planung als Übergangslösung vorgesehen worden. Davon ist bei der Stadt keine Rede mehr: Statt den Bürgersteig zu erweitern, plant das Verkehrsamt den Verbau so genannter Bischofsmützen am Seitenstreifen, um die Begrenzung zwischen Fahrbahn und Gehweg zu verdeutlichen.

(NGZ)