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Neuss: Fußgänger ignorieren Verbote am Deich

Neuss : Fußgänger ignorieren Verbote am Deich

Viele fühlen sich von dem Naturschutzgebiet "Uedesheim Rheinbogen" besonders angezogen. Einige missachten jedoch alle Schilder und machen sich auf dem Deich und am Ufer breit. Das ist verboten und wird geahndet.

Bei schönem Wetter zieht es die Menschen nach draußen in die Natur, so auch in den Uedesheimer Rheinbogen. Problematisch wird es dann, wenn die Spaziergänger die Wege verlassen und die Schönheiten abseits im Naturschutzgebiet erkunden wollen oder schlicht und einfach einen ungestörten Ort zum Grillen suchen.

"Der gepflasterte Weg führt am Damm entlang, oben auf dem Damm gehen aber viele Leute mit ihren Hunden spazieren oder joggen", sagt eine Anwohnerin. Weiter hinten im Naturschutzgebiet seien viele Trampelpfade. "Und direkt am Rhein treffen sich gerade im Sommer viele zum Grillen", so die 23-Jährige. Das aber ist alles verboten.

Die FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) ist die Rechtsgrundlage für den Naturschutz der Europäischen Union. Sie hat zum Ziel, alle für Europa typischen wildlebenden Arten und natürlichen Lebensräume in einen günstigen Erhaltungszustand zu bringen, so auch in Uedesheim. Das FFH-Gebiet "Uedesheim Rheinbogen" beherbergt einige zu schützende Tierarten, unter anderem den Ameisenbläuling, eine Schmetterlingsart, die nur noch selten in Deutschland zu finden ist. "Der Schmetterling braucht ganz bestimmte Brutvoraussetzungen", sagt Dagmar Vogt-Sädler vom Umweltamt Neuss. "Der Schmetterling legt die Raupe in die Blüte des Wiesenknopfs, in der sie sich für eine Weile ernährt." Nach kurzer Zeit sammelten Ameisen die Raupe auf und brächten sie in ihren Bau, wo die Raupe Larven und Eier frisst und im Frühjahr schlüpft.

Das Naturschutzgebiet bietet auch dem Flussregenpfeifer einen Platz. "Das kiesige flache Sandbett im Rheinbogen ist für ihn optimal", sagt Thomas Braun von der Biologischen Station des Rhein-Kreises in Knechtsteden, die sich um das Gebiet kümmert. Wie alle Vögel in der Brutzeit wird er durch Lärm und Unruhe gestört und verlässt seine Brutstätte. "Kühlen die Eier zu lange aus, sterben die Embryonen ab", erklärt Braun.

Kennzeichnend für das Naturschutzgebiet sind die großen Glatthaferwiesen. "Diese Flachlandwiesen sind etwas ganz besonderes, sie kommen nur noch ganz selten vor", erklärt Volker Große vom Amt für Entwicklungs- und Landschaftsplanung. Die Wiesen müssten besonders gepflegt werden, dazu habe man Verträge mit landwirtschaftlichen Partnern. "Ohne deren Hilfe ginge es nicht. Die Glatthaferwiesen sind Kulturbiotope, die zweimal im Jahr gemäht werden müssen", so Große. Kontrolliert wird sowohl von Land als auch vom Wasser aus. "Die Wasserschutzpolizei gibt in dem Rheinbogen Kennzeichen von Fahrzeugen durch, die im Naturschutzgebiet geparkt haben", sagt Große.

Die Stadt wiederum achtet bei ihren Kontrollen darauf, dass das Naturschutzgebiet nicht betreten wird. Aber trotz Hinweistafeln, Pollern und Kontrollen ziehen sich dennoch viele Trampelpfade durch das geschützte Gebiet. "Es herrscht Gehverbot im Naturschutzgebiet", sagt Große. Leider aber würden Hinweistafeln und Wegpfosten oft demoliert und entfernt. "Das ist sehr ärgerlich", sagt Große.

(NGZ)