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Neuss: Fußball mit Handicap: Collin soll kicken dürfen

Neuss : Fußball mit Handicap: Collin soll kicken dürfen

Weil der eigene Sohn Fußball liebt, aber am Down Syndrom leidet, wollen Markus und Claudia Bausch ein eigenen Team gründen.

Collin kann es kaum erwarten, dass Jotis Grigoriadis das Netz mit den Fußbällen auf den Boden legt. Flux hat der Siebenjährige schon eines der runden Leder herausgezerrt und wetzt damit durch den knöcheltiefen Schnee. "Collin hat sehr viel Spaß am Fußballspielen", sagt sein Vater Markus Bausch. Daher ließen er und Mutter Claudia den Kleinen auch mal bei den Bambini des BV Weckhoven mitspielen, trainiert wurden die Kleinsten da sogar noch von der großen Schwester Alicia.

Doch die Eltern merkten schnell, dass Collin dort nicht ganz mitkam. Der Siebenjährige ist klein für sein Alter, braucht etwas länger, bis er versteht, was gemeint ist und bis er Anweisungen umsetzten kann. Denn Collin leidet am Down Syndrom. Doch seine Eltern wollen ihm das Fußballspielen in einer Mannschaft trotzdem ermöglichen. Sie machten sich schlau und erfuhren von der Aktion "Einfach Fußball" von Bayer Leverkusen und dem Deutschen Fußballbund (DFB). Das Projekt fördert wohnortnahe Angebote für Kinder und Jugendliche mit Behinderung. Ziel ist es, Partnerschaften zwischen Förderschulen des Schwerpunktes geistige Entwicklung beziehungsweise Lernen und Fußballvereinen herzustellen und langfristige und regelmäßige Fußballangebote zu ermöglichen. Genau so etwas wollen die Bauschs in Weckhoven auf die Beine stellen.

Ein Team aus Kindern mit Handicap wollen sie aufbauen. Einmal in der Woche sollen die Kinder trainieren. Neben Collin haben die Bauschs schon vier weitere Kinder gefunden, die mitmachen wollen. "Wenn wir noch etwa fünf, sechs weitere finden, können wir mit dem Training beginnen", sagt Markus Bausch, der Jugendleiter beim BV Weckhoven ist. Einen Fahrdienst hat Bausch bereits organisiert, Trainer sind auch bereits gefunden: Der Ex-VfL Neuss-Trainer Stilianos Kosmidis ist an Bord, ebenso der Trainer der Kreisauswahl, Anestis Tsentemeidis. Und auch Jotis Grigoriadis von der Fußballschule Hattrick hat seine Unterstützung, unter anderem mit Trikots und Bällen, zugesagt. Der Schule am Nordpark wollen die Bauschs und ihre Mitstreiter die Idee bald auch vorstellen. "Die meisten Kinder wollen sich bewegen und haben unglaublich viel Spaß an Fußball", sagt Collins Mutter Claudia, die mit der Tochter Alicia die Rolle der Betreuerin übernehmen will. Wenn alles glatt geht, soll im Februar schon das erste Training sein. Von 15 bis 17 Uhr könnte ein neu formiertes Team in der Halle Am Kirschbäumchen zum ersten Mal dribbeln, passen und Tore schießen. Doch das Training soll erst der Anfang sein.

Langfristig will Bausch Turniere organisieren mit anderen Teams, die ebenfalls aus Kindern mit Behinderung bestehen und auch mal bei Trainingsspielen mit der E-Jugend die Mannschaften durchmischen. "Denn letztlich ist das Ziel ja, dass alle zusammenspielen", sagt Markus Bausch. Bei einem befreundeten Verein habe er ein solches Modell schon kennengelernt. "Von den anderen Kindern hat nur ein einziger Junge gelacht", erzählt Bausch. "Sein Teamkamerad hat ihn dann angestoßen und gesagt: ,Warum lachst du? Das sind genau solche Kinder wie wir.'"

(NGZ)