Fußball-Europameisterschaft: Weißrusslands Mannschaft trainiert in Neuss

Vor Partie gegen Deutschland : Weißrusslands Nationalmannschaft trainiert in Neuss

Am Samstagabend geht es im Borussia-Park Mönchengladbach um Punkte für die Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft. Auf dieses wichtige Spiel bereiteten sich die Gäste aus Weißrussland in Neuss vor.

Weißrusslands Nationaltrainer Mikhail Markhel (53) hat am Samstagvormittag seine Mannschaft zum Abschlusstraining in der Bezirkssportanlage Reuschenberg auflaufen lassen. Jogi Löw, Trainer der deutschen Equipe, hatte schon am Freitag erklärt, in welcher Mannschaftsaufstellung er die Fußball-Auswahl von Belarus am Samstagabend beim EM-Qualifikationsspiel im Mönchengladbacher Borussia-Park (Anpfiff: 20.45 Uhr) schlagen wollte. Doch sein Gegner, mit vier Punkten vor dem Spiel nur Tabellenvierter der Gruppe C, hüllte sich auch beim Abschlusstraining darüber in Schweigen. Keine Pressekonferenz, keine Interviews, stattdessen Abschottung. „Aus Sorge vor Kundschaftern des DFB“, wie Kirsten Esgen vom städtischen Sportamt weiß.

Um den ganz großen Rummel zu umgehen, hatte der fußballerische Riesenzwerg aus Weißrussland Neuss als Mannschaftsquartier gewählt. Untergebracht waren Trainer und Betreuer im Hotel Crowne Plaza am Rhein, wo man schon seit Mittwoch auf die Gäste aus Osteuropa vorbereitet war. Abreisetag für die weißrussische Mannschaft, die am Dienstag (19.) noch zu einem Freundschaftsspiel in Montenegro erwartet wird, ist am Sonntag. So lange verrät nur der als Mannschaftsbus genutzte Reisebus eines Mannheimer Unternehmers, welche Gäste da logieren.

Mit dem Bus war das Team Weißrusslands schon am Freitag zu einem ersten Training in den Borussia-Park gefahren. Am Samstagvormittag war die Strecke kürzer. Es ging – ruckzuck – vom Hotel im Rheinpark aus über die Autobahn nach Reuschenberg. Die kurze Strecke und die gute Erreichbarkeit seien für die Stadionwahl mit ausschlaggebend gewesen, sagt Harry Homburg vom Presseamt der Stadt, der das Team betreute. „In Düsseldorf wollten die nicht trainieren“, sagt Homburg. Und weil die Kicker nicht auf Kunstrasen ihre letzte Übungseinheit absolvieren wollten, schied auch die Bezirkssportanlage Gnadental aus. Obwohl das Team da vor Zaungästen besser geschätzt gewesen wäre. Es sollte Rasen sein – und die Ludwig-Wolker-Sportanlage schied aus. Begründung: Erftlauf.

Vom Zustand des Rasens her sei Reuschenberg aber mindestens genauso gut, sagt Homburg. Der TuS Reuschenberg, der auf der Anlage an der Jakob-Koch-Straße Hausrecht hat, musste deshalb eingeweiht und um Kooperation gebeten werden. „Wir haben alle für den Vormittag geplanten Jugendspiele verlegt“, sagt TuS-Geschäftsführer Willi Mohren, der aber am Samstag noch Spiele seines Vereins auf der Anlage sah. Denn Mikhail Markhel ließ seine Mannschaft nach einer nur 45-minütigen Trainingseinheit, bei der bei schönstem Herbstwetter Kurzpassspiel, Dribblings und Standards geübt wurden, um kurz vor 12 Uhr schon wieder abrücken.

Vor dem „deutschen Sommermärchen“, der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land, hatte sich der damalige Bürgermeister Herbert Napp sehr dafür eingesetzt, dass Neuss wenigstens Trainingsstandort einer Teilnehmermannschaft am Turnier wird. Vergebens. Weißrussland hat Neuss nun dazu gemacht. Für Sven Ratzlow, seit 2008 Platzwart auf der Anlage, war das ein schöner Moment - für den er auch seinen freien Samstag opferte. Leider hat der in der DDR aufgewachsene Platzwart von sechs Jahren Russisch-Unterricht nicht viel behalten. Er hätte sich von den Gästen sicher Komplimente für ein erstklassiges Grün abholen können.