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Fusion: St.-Augustinus-Gruppe Neuss verhandelt mit „Kplus Gruppe“ Solingen

St.-Augustinus-Gruppe Neuss verhandelt mit „Kplus Gruppe“ Solingen : Fusionsverhandlungen werden konkret

Die Neusser St.-Augustinus-Gruppe und die „Kplus Gruppe“, Träger der Leverkusener Kliniken Remigius und St. Josef, haben die Bedingungen eines Zusammenschlusses geprüft. Die Aufsichtsräte gaben grünes Licht für Verhandlungen.

Ein Zusammenschluss der Neusser St.-Augustinus-Gruppe mit der Solinger „Kplus Gruppe“, die mit dem Opladener Remigius-Krankenhaus und der Geriatrie St. Josef in Wiesdorf  auch zwei Kliniken in Leverkusen betreibt,  wird immer wahrscheinlicher. Die Aufsichtsgremien der beiden caritativen Unternehmensverbände haben – räumlich getrennt aber in der Sache wortgleich – in der Vorwoche beschlossen, an dem Ziel weiterarbeiten zu wollen, ein voll integriertes Unternehmen mit insgesamt fast 9000 Mitarbeitern zu schaffen. Die endgültige Entscheidung soll im Sommer 2020 fallen.

Die weiteren Verhandlungen führen Gesprächspartner, die sich sehr gut kennen. Denn Andreas Degelmann, der als Leiter zentrale Unternehmensentwicklung in dieser Frage bislang zum Steuerungskreis der Augustinus-Gruppe gehörte, wechselt zum 1. Januar als Sprecher der Geschäftsführung zur „Kplus-Gruppe“, sitzt also in anderer Rolle am gleichen Verhandlungstisch. Von einer Vorfestlegung im Ergebnis will der 33-jährige Neusser aber nicht sprechen. Die Aufgabe bei dem Solinger Unternehmen sei neu zu besetzen gewesen, weil der bisherige Amtsinhaber Gregor Hellmons in den Ruhestand geht, sagt Degelmann. Er habe sich auf Anfrage des Aufsichtsrates der „Kplus-Gruppe“ beworben, „unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen.“

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Im Sommer hatten die Aufsichtsräte der beiden katholischen Gesellschaften beschlossen, in die intensive Prüfung der Rahmenbedingungen für eine Kooperation einzusteigen. Eine entsprechende Absichtserklärung („letter of intend“) wurde im Juli unterzeichnet. Der Begriff Fusion wurde damals vermieden und taucht auch jetzt, nach Abschluss der auf ein halbes Jahr angesetzten Prüfung, nicht auf. Die Frage, welche rechtliche Konstruktion am Ende für die Zusammenarbeit unter einem gemeinsamen Dach den meisten Sinn macht, ist einer der Punkte, die nach Darstellung von Paul Neuhäuser, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der St.-Augustinus-Gruppe, noch zu klären ist.

Gemeinsames Handlungsziel ist nach Neuhäusers Darstellung, dass „wir links und rechts des Rheins starke und dauerhaft lebensfähige Strukturen erhalten“, die die Versorgung von Alten, Kranken und Behinderten unter christlichen Vorzeichen sicherstellen.

Das vergangene halbe Jahr wurde genutzt, um die beiden ungleichen Partner – die St.-Augustinus-Gruppe ist deutlich größer – zu bewerten. Die finanzielle Lage wurde ebenso ausgeleuchtet wie ein möglicher Investitionsbedarf. Nun sei der Punkt erreicht, so Degelmann, „wo wir uns ernsthaft über einen Zusammenschluss unterhalten.“ Dabei werde weniger inhaltlich als vielmehr über technische Fragen diskutiert.

Bevor eine Prüfung kartellrechtlicher Fragen angegangen werden kann, müssten nämlich die Strukturen stehen, sagt er. In den kommenden Monaten werde deshalb an einer zukunftsfähigen Führungs- und Trägerstruktur zu arbeiten sein. Ferner wird ein Finanzkonzept zur Sicherung der Wirtschaftlichkeit aufgesetzt und dazu ein Zehnjahresplan entwickelt.

Zur Frage, welcher Gesellschafter an dem neu entstehenden Unternehmen wie viel Anteil erhält, macht Paul Neuhäuser keine Angaben. Vergleiche mit dem kommunalen Krankenhaus-Verband „Rheinland Klinikum“, in dem sich der Rhein-Kreis nur mit einer Ausgleichszahlung auf Augenhöhe mit dem Partner Stadt Neuss bringen musste, nennt er völlig abwegig. „Politische Gründe spielen bei unserem Vorhaben keine Rolle“, sagt Neuhäuser. Ob er noch Fallstricke ausmacht? „Wir sind in einem Prozess“, sagt Neuhäuser. Aber der Beschluss der Aufsichtsgremien drücke Vertrauen in die Unternehmung aus.