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Neuss: Further Mundartkenner erhält Rekeliser

Neuss : Further Mundartkenner erhält Rekeliser

Heinz-Dieter Nehr beherrscht die traditionelle Kunst des Rekelns, des "liebevollen Lästerns", besonders gut. Für seine Leistungen bekommt er am Freitag den Rekeliser-Orden, eine der begehrtesten Neusser Karnevalsauszeichnungen.

Reden können viele, rekeln jedoch nur wenige. Einer, der diese Neusser Eigenart zu "lästern" kunstvoll und zudem in Mundart beherrscht, ist Heinz-Dieter Nehr. Deshalb erhält der 70-jährige, der seit Kindertagen auf der Furth lebt, für seine Verdienste rund um den Neusser Karneval und seine kunstvollen Litaneien auf der Bühne und auf Papier am Freitag den Rekeliser-Orden.

Die Brauchtums- und Karnevalsgruppe (BKG) der Neusser Heimatfreunde verleiht diese Auszeichnung seit 1978 an Neusser, die besonders kunstvoll rekeln können. "Ich war überrascht und natürlich erfreut, als ich davon erfuhr", erzählt Nehr. "Auch, dass endlich wieder jemand aus dem ,Fußvolk' geehrt wird, ist eine tolle Sache", meint der "Further Jong". Vieles hat er über die Jahre für die Mundart und den Karneval getan — "daher habe ich die Auszeichnung schon verdient", meint Nehr, der Mundart als Tradition von Neuss und dem Rheinland begreift. "Deshalb ist es wichtig, das zu bewahren," ergänzt der Redner, Vorleser und Buch-Autor.

Am Freitag wird Nehr seinen Orden persönlich in Empfang nehmen und dazu eine Kostprobe seines Könnens zum Besten geben. "Ich freue mich richtig darauf", gesteht er. In seiner Rede, so viel verrät der künftige Ordensträger, lädt er seine Zuhörer ein auf einen Spaziergang durch die Quirinusstadt. "Ich bin ens durch Nüss jejange", heißt das Motto seines Vortrags, selbstverständlich "op Platt". "An verschiedenen Stellen in Neuss habe ich mir so meine Gedanken gemacht, auch über die Persönlichkeiten dort — zum Beispiel im Rathaus und in den Vereinen." Mehr mag der gewandte Redner jedoch vorab nicht preisgeben. "Meine ,Opfer' sind immer diejenigen, die sich anbieten", erzählt Heinz-Dieter Nehr, der in seinem 2009 erschienenen Buch "Op de Food" in lustiger Art und Weise über ein Schützenfestjahr auf der Neusser Furth berichtet. Ob die Stadtprominenz, die Herrschaften auf der anderen Rheinseite oder Leute aus dem Schützenwesen — niemand ist vor den humorvollen Stichleien des passionierten Karnevalisten sicher.

Früher nutze Nehr seine Redekunst auch als Außendienstmitarbeiter, zuletzt beim Medizinproduktespezialisten B. Braun Melsungen. Seit sieben Jahren nun ist er im Ruhestand, kommt aber keineswegs zur Ruhe. Er veranstaltet Mundartunterricht an der Burgunderschule ("Die Kinder sind begeistert, reden einfach drauflos und finden die alten Further Geschichten äußerst spannend"), kümmert sich noch immer um den Karneval von St. Cornelius in Erfttal, unterstützt den Förderverein im Thomas-Morus-Haus, ist zugegen beim Prinzenempfang der CDU und liest Weihnachtsgeschichten in Mundart beim "Abend im Advent" der Heimatfreunde, um nur einige seiner zahlreichen Engagements zu nennen.

Zudem moderiert Nehr, der mehr als 50 Jahre aktive Jäger auf der Furth war, den "Further Heimatabend" der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft. Grund genug, dieses vielseitige Engagement mit einem Orden zu würdigen.

(NGZ/ac)