Fulminanter Abschluss des Neusser „Orgelsommers“

„Orgelsommer“ in Neuss: Fulminanter Abschluss des Orgelfestes im Münster

Der Veranstalter, der Förderkreis der Kirchenmusik an St. Quirin, zeigt sich mit der Besucherresonanz leidlich zufrieden.

Das fünfte Konzert im Orgelsommer 2018 mit dem Trierer Domorganisten Josef Still (48) besuchten knapp 80 Zuhörer. „Mit dem Besuch von durchschnittlich gut 60 Zuhörern bin ich vollkommen unzufrieden“, sagt Hans-Josef Holtappels, der Vorsitzende des „Förderkreises der Kirchenmusik“ an der Basilika, der die Konzertreihe „Orgelsommer“ veranstaltet. „Das unglaubliche Sommerwetter hat möglicherweise Besucher gekostet“, ergänzt Holtappels.

Nach seiner Meinung ist der Besuch renommierter Organisten in Neuss nicht zu toppen. „Das liegt natürlich auch an den guten Kontakten unseres Münsterkantors Joachim Neugart, der in den letzten Monaten seinerseits Konzerte in Fulda und Mainz gespielt hat“,  meint der Vorsitzende. Und: Alle Organisten haben geäußert, gerne wieder in Neuss zu spielen. Denn die große hochromantische Seifert-Orgel der Basilika im Zusammenklang mit der opulenten Akustik dieser bedeutenden romanischen Kirche wird sehr geschätzt.

Das bestätigte auch Josef Still: „Ich habe romantische Stücke für mein Konzert gewählt, weil das Instrument dafür hervorragend geeignet ist:“ Mit der großen Orgelsymphonie „Jesu, meine Freude“ von Sigfrid Karg-Elert ging er sogleich in das volle Registerwerk. Nach wenigen einschmeichelnden Akkorden steigert sich die Symphonie zum Orgelinferno: „Mag die Höll’ auch wüten“. Nach „Canzone“-Satz über die Choralmelodie werden das Thema der Fuge mit der Choralmelodie harmonisch attraktiv verbunden und zum „Grandioso“-Finale majestätisch exponiert, denn „auch im Leide bleibt Jesu meine Freude“.

Eine Bearbeitung für Orgel der Engelsszene aus Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ sowie Felix Mendelssohn Bartholdys „Hochzeitsmarsch“ dienten vermutlich nur der lustvollen Unterhaltung des Publikums. Interessanter waren da schon die weichen Konturen, mit denen Josef Still den „Zwiegesang“ aus Joseph Rheinbergers Charakterstudien „Miscellaneen“ nachzeichnete.

Das Hauptwerk des Abends aber war die Fantasie über den Choral „Ad nos, ad salutarem undam“ von Franz Liszt. Während dieses Kolossalgemälde für Orgel meist mit Kürzungen aufgeführt wird, spielte Josef Still das ganze 30-minütige Werk. Der Domorganist machte den Zuhörern Mut: „Das ist Liszt ein wenig zu lang geraten, aber Sie müssen das einfach durchhalten.“ Den langen Weg hat Josef Still durch häufig wechselnde Registerfarben attraktiv verkürzt. Allein 350 Kombinationen hatte er für das Konzert am Donnerstag zuvor programmiert und musste dabei dem zeitgleich auf dem Münsterplatz stattfindenden „Räuber“-Festival trotzen.

Aber die Mühe hat sich gelohnt: Nahezu alle Zuhörer empfanden Stills Aufführung als „bis zum Schluss spannend“. Besonders gelungen: die einstimmige Melodie im kaum wahrnehmbaren leisen Register der Orgel und die dann allmählich accelerando zelebrierte Klangsteigerung bis zur Schlussfuge, die den Choral in zunächst marschähnlichem Genre und dann in epischer Breite nahezu tutti ausklingen lässt. Langanhaltende „Standing Ovations“.

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