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Neuss: Für Lärmschutz Fußballtore ausgetauscht

Neuss : Für Lärmschutz Fußballtore ausgetauscht

Auf vier Bolzplätzen, unter anderem auf der Neusser Furth, sind die großen Fußballtore abgebaut und durch kleinere Torkästen ersetzt worden. Grund ist der Lärmschutz. Denn die Tore hatten vermehr ältere und laute Spieler angezogen.

Der Bolzplatz an der Peter-Loer-Straße auf der Neusser Furth liegt direkt neben einem Spielplatz und einem Wohngebiet — und ist bei Kindern daher sehr beliebt. Doch nicht nur die Jüngeren zog das Fußballfeld regelmäßig an: Vor allem am Wochenende spielten dort jeden Samstag und Sonntag ältere Jugendliche "richtig" Fußball — was die Anwohner mächtig Nerven kostete.

"Deswegen haben wir uns entschlossen, dort einzugreifen", sagt Rudolf Westermann, stellvertretender Leiter des Grünflächenamts. Die Stadt baute die zwei großen Tore ab, stattdessen stehen dort nun kleine Metallkästen — "damit die Kinder weiter spielen können, der Platz für die Älteren aber unattraktiv wird", erläutert Westermann. Ähnlich sind er und seine Mitarbeiter an drei weiteren Bolzplätzen in Neuss vorgegangen: Betroffen sind neben dem Bolzplatz auf der Furth das Fußballfeld an der Obererft im Dreikönigenviertel, die Anlage am Haselweg in Gnadenthal und der Platz am Rundweg in Holzheim. Mindestens eines der großen Tore wurde dort jeweils abgebaut.

"Das soll keine Dauerlösung sein, aber nur so können wir die erwachsenen Spieler dazu bringen sich andere Plätze zu suchen, da Spiele auf ein Tor uninteressant sind," sagt Westermann.

Die vier betroffenen Plätze — insgesamt gibt es in Neuss über 40 Fußballfelder, auf denen gespielt werden kann — haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind in die Jahre gekommene Plätze, bei deren Planungen noch andere Lärmschutzrichtlinien galten. "Heute dürften wir so dort gar nicht mehr bauen," sagt Westermann. Problematisch sei vor allem die Nähe zu den angrenzenden Wohnhäusern: Wenn heute ein Bolzplatz neu gebaut wird, müssen viel größere Abstände eingehalten werden", sagt Westermann. Auch Lärmschutzgutachten, wie sie heute standardmäßig vorgeschrieben sind, gibt es erst seit einigen Jahren.

"Bei den vier Plätzen, wo Tore abgebaut wurden, stehen die Häuser so dicht dran, dass der Lärm direkt bei den Anwohnern ankommt", sagt der Experte. Komme dann auch noch eine übermäßige Nutzung durch Fußballer dazu, die da eigentlich gar nicht spielen dürften, seien Beschwerden die Folge. "Denn gedacht sind die Bolzplätze für Kinder bis 14 Jahren", erläutert Westermann. Wenn es Anwohnerklagen gibt, versuchen seine Mitarbeiter, sich vor Ort ein Bild zu machen — erst danach wird über das weitere Vorgehen entschieden. Erste Maßnahmen sind verstärkte Kontrollen, aber da Fußball gere am Wochenende gespielt wird und die Personaldecke für Kontrollen eng ist, müssen später meist bauliche Maßnahmen folgen. Entweder wird dann eines der beiden Tore abgebaut, damit kein "klassisches" Spiel mehr möglich ist, oder es kommen die kleinen Tore zum Einsatz, wie auf der Furth.

Rudolf Westermann appelliert an die Vernunft der Fußballfreunde und auch an die Anwohner. Sie können die lauten Kicker freundlich darauf hinweisen, dass es viele Plätze in Neuss gibt, die nicht so nah an der Bebauung sind und wo niemand durch die durch meist fröhlichen Lärm gestört wird. Beschwerden über die abgebauten Tore gibt es bislang keine: "Die Kinder können ja problemlos weiterspielen", sagt Westermann. Und es sei durchaus denkbar, die großen Tore testweise wieder zurückzuholen, sobald sichergestellt ist, dass die erwachsenen Spieler den Platz nicht mehr nutzen, weil sie in der Zwischenzeit eine Alternative gefunden haben.

(NGZ)