Früherer AOK-Chef soll Fusionklinik im Rhein-Kreis Neuss steuern

Früherer AOK-Chef : Neuss und Rhein-Kreis sind sich einig - Jacobs soll die Fusionsklinik steuern

Breuer und Petrauschke schlagen den früheren AOK-Direktor als Aufsichtsratschef vor.

Zum Schluss ging alles überraschend schnell – ohne Ausschreibung, ohne Headhunter. Bürgermeister Reiner Breuer war daran gelegen, „ein handlungsfähiges Team“ aufzustellen und Landrat Hans-Jürgen Petrauschke wollte vermeiden, „dass ein Führungsvakuum entsteht.“ Das Ergebnis: Gemeinsam schlagen die beiden Hauptgemeindebeamten vor, den früheren Geschäftsführer der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs (75) aus Korschenbroich, zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates der fusionierten Krankenhäuser im Rhein-Kreis zu wählen. Der Lenkungsausschuss, der den Zusammenschluss der kommunalen Krankenhäuser begleitet, stimmte bereits am Freitag der Personalie zu. Dass die erforderliche Bestellung durch den Neusser Stadtrat sowie den Kreistag erfolgen wird, gilt als sicher.

Es ist politischer Wille, dass hierzulande die kommunalen Krankenhäuser fusionieren. Die Rhein-Kreis Kliniken bringen ihre Standorte Dormagen und Grevenbroich ein, die Stadt Neuss ihr Lukaskrankenhaus und die Rheintorklinik. So entsteht, vermutlich rückwirkend zum 1. Januar 2019, das zehntgrößte kommunale Krankenhaus in Deutschland. Gesteuert wird das künftige Großklinikum von einem 25-köpfigen Aufsichtsrat: Neuss, Kreis und Arbeitnehmer entsenden jeweils acht Vertreter, wobei der Bürgermeister und der Landrat als gleichberechtigte „Vize“ gesetzt sind. An der Spitze des Gremiums soll ein unabhängiger Experte als Vorsitzender fungieren. Dieser Oberaufseher ist nun mit Wilfried Jacobs gefunden.

Der eloquente Korschenbroicher, der einst auch Präsident des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach war, ist ein bundesweit anerkannter Gesundheitsexperte, der an verantwortlichen Positionen strukturelle Veränderungen im Gesundheitswesen mit auf den Weg gebracht hat. Er gilt als Mann, der in erster Linie die Interessen der Patienten im Auge hat. Dazu passt, dass Jacobs am Freitag im Gespräch ankündigte, ein „Bürgerkrankenhaus“ entwickeln zu wollen. Es sei sein Ziel, alle großen Standorte mit einer umfassenden Basis- und Notfallversorgung zu erhalten. Die bestehenden Arbeitsplätze seien, so Jacobs, „sicher“ und es sei ihm wichtig, nun die Belegschaften über die Personal- und Betriebsräte in den Fusionsprozess einzubinden: „Ich spüre diese Aufbruchstimmung in allen vier Standorten unserer Krankenhäuser.“

Bürgermeister Breuer ist sich sicher, eine „starke Persönlichkeit mit großer Erfahrung im Gesundheitswesen und mit regionalem Bezug“ gefunden zu haben. Er setze wie der Landrat „großes Vertrauen“ in Wilfried Jacobs. Es sei gut, wenn jetzt die Mitarbeiter stärker gehört und beteiligt würden. Dieter Welsink, CDU-Chef im Kreistag, begrüßt, dass die Wahl auf Jacobs fiel: Mit ihm und den beiden Krankenhaus-Managern Patrizia Mebes und Nicolas Krämer, die den bisherigen Fusionsprozess eng begleitet haben, stehe jetzt eine erfahrene Führungscrew für einen guten Start bereit.

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