Umweltamt bietet Lebensraum für und klärt über Tiere auf: "Friedliche Hornissen haben großes Imageproblem"

Umweltamt bietet Lebensraum für und klärt über Tiere auf: "Friedliche Hornissen haben großes Imageproblem"

Neuss. "Etwas für Vorkommen von wertvollen Tieren in Neuss tun", will Peter Hilgers, der im Umweltamt Neuss für Artenschutz und Ökologie zuständig ist. "Jede Art hat ihre Funktion im ökologischen Kreis." Damit dies auch in Zukunft noch der Fall ist, konzentriert sich ein Teil von Peter Hilgers' Arbeit auf den Erhalt von zusammenhängenden, naturbelassenen Flächen in Neuss. Dazu wurden 200 Biotope im Stadtgebiet kartographiert.

Neuss. "Etwas für Vorkommen von wertvollen Tieren in Neuss tun", will Peter Hilgers, der im Umweltamt Neuss für Artenschutz und Ökologie zuständig ist. "Jede Art hat ihre Funktion im ökologischen Kreis." Damit dies auch in Zukunft noch der Fall ist, konzentriert sich ein Teil von Peter Hilgers' Arbeit auf den Erhalt von zusammenhängenden, naturbelassenen Flächen in Neuss. Dazu wurden 200 Biotope im Stadtgebiet kartographiert.

Das Kataster von brachliegenden Flächen, naturnahen Privatgärten, Park- und Kleingartenanlagen sowie größeren Biotopen am Stadtrand ist zunächst eine Bestandsaufnahme der Neusser Tier- und Pflanzenwelt. Es ermöglicht aber auch, Ersatzflächen für die Bebauung von Brachland so zu platzieren, dass sie den Lebensraum von Tieren sinnvoll erweitern. Ein Biotopverbund für die unscheinbaren Erdkröten ist im Neusser Norden entstanden.

Die Amphibien überwintern an Stellen mit lockerer Erde und Verstecken aus liegengebliebenem Laub. Wenn es im Frühling etwas wärmer wird, wandern sie zu ihren Laichgewässern, wobei das Weibchen das kleinere Männchen auf dem Rücken trägt. Für viele Neusser Kröten führt dieser Weg vom Stadtwald zum Jrünen Meerke. Seit einigen Jahren wird dieser Krötenwanderweg durch eine für 120.000 Mark gebaute Anlage gesichert: Die Kröten unterqueren die Geulenstraße in Tunneln und entgehen so der Gefahr, überfahren zu werden.

Größere Probleme haben die Erdkröten, die zum Laichen in den Regenauffangbecken an der Morgensternstraße über die A 57 ziehen müssen. Eine aufwendige und teure Lösung wie an der Geulenstraße sei leider nicht noch einmal möglich, räumt Peter Hilgers ein. Sein Amt suche jedoch nach einer billigeren Hilfe für die Kröten. Durch besondere Rücksichtnahme der Menschen können die Tiere außerhalb der Wanderzeit geschützt werden. An einigen Orten, wie dem Jrönen Meerke, werden Spaziergänger durch Schilder darauf hingewiesen, die Wanderwege nicht zu verlassen. Kröten, die sich am Rand im Laub verstecken, liefen sonst leicht Gefahr, zertreten zu werden.

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Das Biotop Niederdonker Baggersee wurde sogar umzäunt. Allerdings würden Menschen immer noch Uferbewuchs zertrampeln oder naturnahe Flächen als wilde Müllkippe missbrauchen. Trotzdem ist die Erdkröte in Neuss nicht bedroht. Schließlich kann sie sogar in einem privaten Garten mit einem Teich und einigen Verstecken ein Zuhause finden. Anders geht es der Hornisse. Sie steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Die größte heimische Wespenart baut in Neuss nur noch wenige Nester an ruhigen Stellen, in Baumhöhlen, Vogelnistkästen oder unter Dächern, denn sie hat außer mit dem schwindenden Lebensraum auch mit dem Ruf zu kämpfen, sie sei gefährlicher als ihre kleinen Verwandten.

"Da muss ich vor allem Aufklärungsarbeit leisten", berichtet Hilgers, der für "Wespenberatung" in Neuss zuständig ist. In Wahrheit seien Hornissenstiche nicht schädlicher als jeder andere Wespenstich. Zudem wohnt in Hornissennestern mit 100 bis 700 Arbeiterinnen und Drohnen nur ein Bruchteil der Tiere, die sich in den Staaten der gemeinen oder der deutschen Wespe tummeln. Schließlich fallen Hornissen nie über menschliche Nahrung her, wie es die anderen Wespenarten im Spätsommer tun. Sie ernähren sich ausschließlich von Insekten und leisten damit einen Beitrag zur Schädlingsbekämpfung.

"Hornissen sind friedliche Tiere mit einer sehr hohen Reizschwelle", beteuert Peter Hilgers. Um sie zum Stechen zu veranlassen, müsste ein Mensch schon seine Hand nach ihrem Nest ausstrecken. Wer auf seinem Grundstück ein Hornissennest findet, sollte deswegen nicht gleich in Panik nach dem Insektenspray greifen oder einen Kammerjäger rufen. Es sei ohnehin nicht erlaubt, die geschützten Hornissen zu töten. Auch die Nester der anderen Wespenarten dürfen nicht ohne triftigen Grund vernichtet werden. Peter Hilgers ist unter der Rufnummer 02131/903305 zu erreichen und leistet bei Problemen mit Wespen gerne Hilfe. Auch wer seltene oder verletzte und hilflose Tiere sichtet, findet unter dieser Nummer den richtigen Ansprechpartner. Thomas Kirchner