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Neuss: Friedhelm Farthmann kritisiert Jung-Politiker

Neuss : Friedhelm Farthmann kritisiert Jung-Politiker

Der SPD-Veteran hat das Politisieren nicht verlernt. Das stellte Ex-Minister Friedhelm Farthmann (79) am Montagabend auf dem blauen NGZ-Sofa eindrucksvoll unter Beweis.

Der Vollblut-Politiker, der seinen Landtagswahlkreis 20 Jahre in Neuss hatte, stellte sich glänzend aufgelegt den Fragen von NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten. Bei der Talk-Reihe im voll besetzten "Drusus 1", die von der Brauerei Frankenheim unterstützt wird, sparte er vor vielen prominenten Gästen nicht mit Kritik an den heutigen Jung-Politikern: "Die reden doch nur über ihre eigene Karriere und ihre Hahnenkämpfe. Da hat keiner mehr politische Visionen."

Farthmann, der zehn Jahre an der Spitze des Landesministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales stand und ebenso lange als Fraktionschef agierte, ging mitunter auch mit der SPD hart ins Gericht: "Sie hat es nicht verwunden, dass die Zeit sozialer Zuwächse vorbei ist. Mit Sozialpolitik ist heute keine politische Schlacht mehr zu gewinnen."

Auch, welchen Posten er am liebsten gehabt hätte, verschwieg Farthmann nicht: "Ich wäre gern Verteidigungsminister geworden. Ich wäre sogar mit dem Parka ins Bett gegangen."

Und was war das Schönste in seiner politischen Laufbahn? Farthmanns Antwort kam sofort: "Das war die deutsche Wiedervereinigung. Sie war in meinem Herzen immer das Hauptthema, auch, als in meiner Partei kein Mensch etwas davon wissen wollte. Die Genossen von Lafontaine bis Momper haben sich den Mund fusselig geredet für die Zwei-Staaten-Lösung. Ich denke, die SPD war da in großer Gefahr, mal wieder mit großer Mehrheit Unsinn zu reden."

(NGZ)