Fridays for Future in Neuss: Erste Schüler-Demo für den Klimaschutz

Proteste in Neuss : Erste Neusser Schüler-Demo für den Klimaschutz

120 Schüler nahmen an der Protestveranstaltung  „Fridays for Future“ teil. Nicht alle Schulleiter unterstützen dieses Engagement.

Neusser Schüler haben erstmals auch in ihrer Stadt für einen besseren Schutz der Umwelt und des Klimas protestiert. Rund 120 vorwiegend junge Menschen sind dem Aufruf der Bewegung „Fridays for Future“ gefolgt und am Freitag mit lauten Protestrufen und Plakaten mit Botschaften wie „Aufwachen“ oder „Es gibt keinen Planeten B“ vom Treffpunkt an der St. Marien-Kirche aus durch die Fußgängerzone zum Rathaus marschiert.

„Es muss etwas getan werden, um die selbst gesteckten Klimaziele einzuhalten“, sagt David Fister, einer der Organisatoren des Neusser Protests. „So erzeugen wir gesellschaftliche Aufmerksamkeit und rücken das Thema Umweltschutz, das ansonsten ein Randthema ist, in die gesellschaftliche Mitte“, ergänzt der 17-Jährige Schüler des Nelly-Sachs-Gymnasiums. Die Beurlaubung, um die seine Mutter Michèle Fister, die ebenfalls mit protestiert, die Schulleitung gebeten habe, sei akzeptiert worden.

Bürgermeister Reiner Breuer lud die Schüler zum Gespräch ein. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

„Umweltschutz und demokratisches Handeln sind Erziehungsziele in unserem Schulprogramm“, erklärt Isabelle Defort, Schulleiterin am „Nelly“. Persönliches Engagement werde wertgeschätzt; gleichzeitig müsse der Schulpflicht Rechnung getragen werden. Über jeden Beurlaubungsantrag werde „im Einzelfall mit den Schülern gesprochen und entschieden“, sagt Defort. „Einig sind wir uns darin, dass wir auch in der Schule Projekte zum Umweltschutz und zur Fridays-for-Future-Bewegung durchführen.“ Eine Beurlaubungsanfrage für die Teilnahme an der Demo „kann ich nicht akzeptieren“, sagt dagegen Ulrich Dauben, Schulleiter am Quirinus-Gymnasium. Das Risiko einer Sanktion ist Quirinus-Schüler Timo Eigen, Haupt-Veranstalter des Neusser „Fridays for Future“-Protests, eingegangen. „Es wird viel zu wenig für die Umwelt getan; Braunkohle weiter abgebaut, die öffentlichen Verkehrsmittel zu teuer, zu viel Müll produziert“, zählt er auf.

Auch auf die Aktivistin Greta Thunberg wurde Bezug genommen. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Auch Kathrin Müller, Englisch- und Biologielehrerin am Quirinus, ist der Umweltschutz so wichtig, dass sie mit demonstriert: „Ich unterstütze es, dass die Schüler aktiv sind.“ Der verpasste Unterrichtsstoff müsse selbstverständlich nachgeholt werden, sagt sie.

Das Gymnasium Marienberg erfasse die Fehlstunden von Schülerinnen, die zum Protest statt zum Unterricht gingen, „wie vom Ministerium vorgegeben“, sagt Schulleiter Josef Burdich. „Das hat aber keinerlei Konsequenzen.“ Derartige Fehlstunden hat sich am Freitag die zwölfjährige Anna von Wristberg geleistet. Gemeinsam mit ihren Klassenkameradinnen hält die Marienbergerin ein Plakat hoch, auf dem ein Wal mit allerlei Plastik im Bauch zu sehen ist. „Esst euer Plastik selber“, lautet die Botschaft der Sechstklässlerin.

Unter die Demonstranten mischte sich auch der SPD-Parteivorsitzende Sascha Karbowiak: „Wir bauen den ÖPNV aus und schließen Lücken im Radwegenetz“, so sein Versprechen.

Es sei „schon kurz nach zwölf“, also allerhöchste Zeit zu handeln, sagte Bürgermeister Reiner Breuer zu den letzten Schlägen des Mittagsgeläuts von St. Quirin. Die lauten Rufe der Schüler hatten ihn wie seinen Stellvertreter Sven Schümann und die Beigeordneten Ralf Hörsken, Holger Lachmann und Matthias Welpmann aus dem Rathaus gelockt. Er werde die Schüler  zum Gespräch über Maßnahmen einladen, die die Stadt für den Klimaschutz ergreifen kann, sagte Breuer.