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Neuss: Freier Blick auf alte Mauern

Neuss : Freier Blick auf alte Mauern

Die mittelalterlichen Kellermauerreste unter dem Romaneum sind zurzeit noch in schwarze Folien gehüllt. Sie werden später ständig sichtbar sein und auf einer kleinen Fläche auch als Ausstellungsraum dienen.

Vor sieben Jahre wurden sie offengelegt, untersucht und begutachtet und dann sorgfältig wieder eingepackt. Und noch immer verhüllen schwarze Plastikdecken die Mauerreste von Hauskellern aus dem mittelalterlichen Neuss, die unter dem Romaneum liegen und nach der Eröffnung des neuen Hauses für die Musikschule, die VHS und die Fernuni Hagen permanent bestaunt werden können. Der schönste Blick im atriumähnlichen Foyer ist zweifellos der von den oberen Etagen hinunter auf die Mauern, zwischen denen einst die Ahnen der heutigen Neusser ihre Lebensmittel und Essenvorräte unterbrachten.

Was sie aßen und was sie dafür brauchten, wird dabei zum Gegenstand einer ständigen Ausstellung, die das Clemens-Sels-Museum für die alten Mauern konzipiert. Genauer: der Museumsarchäologe Carl Pause und seine Kollegin Sabine Sauer von der Bodendenkmalpflege der Stadt. In der Mitte der Mauerfunde haben sie eine Gasse gefunden, die – so vermutet es Pause – im 17. Jahrhundert verfüllt wurde, als man mit dem Bau des Klosters begonnen hatte.

Diese Gasse wird gewissermaßen reaktiviert und zur Ausstellungsfläche gemacht. Dort werden Vitrinen aufgestellt, die Fundstücke aus Neuss zeigen und somit die 2000-jährige Geschichte der Stadt widerspiegeln. Zum Beispiel mit dem kleinen Tonkopf einer Römerin – "das älteste Bild eines Neussers ist eine Frau", wie Pause lächelnd anmerkt. Und da er nur zu genau weiß, dass die Hauptkundschaft des Romaneums aus eher jungen Menschen besteht, will er die Ausstellung lebendig halten, die Exponate immer wieder austauschen und auch 3-D-Animationen einsetzen.

Zwar werden kleine Treppenstufen angelegt, aber begehbar ist die Fläche nur unter Aufsicht und bei Führungen. Überhaupt sind die mittelalterlichen steinernen Zeugen nur zum Anschauen da, werden mit einem Geländer gesichert, das natürlich, so versichert es Alexandra Bednarczyk vom Gebäudemanagement, den gängigen Sicherheitsbestimmungen entspricht. Sie gehört zur Projektleitung des Romaneum-Baus und weiß auch, dass die mittelalterlichen Mauern nicht von sich aus stehenbleiben, sondern mit zusätzlichen Wänden gestützt werden müssen. "Gegen den Erddruck", erläutert sie und betont ansonsten, dass den alten Mauern gar nichts Besseres passieren könnte, als künftig unter Raumtemperatur weiterzubestehen. "Ich finde auch, dass die Keller ein richtiger Hingucker sind."

Der Sicherung der Steine ist es auch geschuldet, dass man von einem ursprünglichen Plan Abstand genommen hat. Eine Glaswand des Romaneums hätte weiter nach innen gezogen sein sollen, damit die Keller auch außerhalb des Gebäudes unter einer Glasplatte sichtbar gewesen wären. Tauwasser und Temperaturschwankungen hätten ihnen aber auf Dauer allzu sehr zugesetzt. Und von begehbaren Glasplatten halten Bednarczyk und Pause ohnehin nicht viel: "Sie müssen rutschfest sein und werden stark angeraut, so dass ihre Durchsichtigkeit leidet."

(NGZ)