Neuss: Frei hinter Klostermauern

Neuss : Frei hinter Klostermauern

Schwester Bernharda, seit elf Jahren Priorin des Kloster Kreitz, legte vor 25 Jahren die ewigen Gelübde ab. Ihre silberne Ordensprofess feiert sie am Sonntag mit Festmesse und Empfang, zu dem viele Gäste erwartet werden.

1984 hat Schwester Bernharda Wichmann den Klosterbezirk betreten, in dessen abgezirkelten Grenzen sie auch einmal beerdigt werden will. Hinaus, so sagt die klausurierte Ordensfrau, gehen sie und ihre Mitschwestern nur, wenn es notwendig ist. Morgen ist das nicht der Fall, denn aus Anlass der silbernen Ordensprofess der Priorin kommen alle zu Schwester Bernharda, die ihr und den Benediktinerinnen im Kloster Kreitz nahestehen. Das sind eine Menge.

Die klösterliche Enge empfindet die 50-Jährige nicht als beengend. "Klosterleben ist die größte Freiheitsform, die es gibt", sagt sie überzeugt. Denn im Kloster lerne sie, sie selbst zu sein, lebe weitgehend frei von Fremdbestimmtheit. Auch der streng geregelte Tagesablauf im Kloster Kreitz wird nicht als Zwang verstanden. Er gibt vielmehr den Lebensrhythmus vor, den Wechsel zwischen Zeiten der Andacht und Zeiten der Arbeit.

Das klösterliche Leben, für das sich Schwester Bernharda im Prinzip schon als Schülerin entschied, ist kein Leben fern von der Welt. Jedenfalls nicht im Kloster Kreitz, wo die Ordensfrauen nach den Regeln des Heiligen Benedikt leben: Ora et labora (Bete und arbeite). "Wir leben nicht von Spenden und der Mildtätigkeit anderer, sondern von unserer Hände Arbeit", stellt die Priorin klar. Sie ist in diesem Amt vor allem geistliche Leiterin der zehn Ordensfrauen zählenden Gemeinschaft. Aber weil sie seit 20 Jahren auch in der klösterlichen Verwaltung arbeitet, die Arbeitgeber für neun Angestellte ist, hat Schwester Bernharda auch immer die Bilanzen des Klosters im Auge. Das ist personell wie finanziell selbständig und damit auf sich gestellt.

Ihren Lebensunterhalt verdienen die Nonnen mit der Paramentenstickerei und — vor allem — mit der Hostienbäckerei. Zwölf Millionen Stück verlassen alljährlich das Kloster; nur noch in Ausnahmefällen werden sie von Hand geschnitten. Beim Einpacken zu helfen, ist der Priorin dabei eine Selbstverständlichkeit ("Ich bin Schwester unter Schwestern") und eine Freude. Denn sie braucht auch die körperliche Arbeit. Das Gebet, die guten Wünsche, tut sie beim Einpacken dazu. Das, so sagt sie mit einem Augenzwinkern, "gibt es gratis".

Im Orden lebt Schwester Bernharda, "weil ich festgestellt habe, dass die Kirche auf allen Ebenen engagierte Mitglieder braucht." Ihr Beitrag dazu sei das Gebet. Denn die Fürbitte, so ist sie mit Blick auf die Gebetsanliegen überzeugt, die an den Orden herangetragen werden, "stärkt die Kirche als Ganzes".

Die Feier zum 25. Jahrestag, an dem Schwester Bernharda die ewigen Gelübde ablegte, beginnt heute Abend mit einem geistlichen Vortrag für ihre Mitschwestern. Er ist Ergebnis von Exerzitien, für die sie sich drei Tage von der Gemeinschaft zurückzog. Morgen, zur Festmesse (10 Uhr) und anschließendem Empfang, endet diese Klausur.

(NGZ)