Neuss: Frecher Polit-Talk in der "Rathauskantine"

Neuss : Frecher Polit-Talk in der "Rathauskantine"

Im Theater am Schlachthof gab es zum zweiten Mal bissige Wahrheiten rund um das Rathaus.

Wenn Sie wissen wollen, was wirklich im Neusser Rathaus und den politischen Zentralen dieser Welt geschieht, vergessen Sie ab sofort die einschlägigen Informationsquellen wie Zeitung, Radio oder Fernsehen. Denn hoch oben in der Rathauskantine, quasi auf Augenhöhe mit St. Quirin, werden wirklich unser aller Geschicke gelenkt. Hans-Peter Friedrich, Angela Merkel oder Herbert Napp – das sind schillernde Figuren der aktuellen Weltgeschichte - vermutlich jedoch überbewertet.

Denn die drei trefflich ausgesuchten und mit viel Spielwitz dargestellten Charaktere von Controllerin Simone Strack (Stefanie Otten), Hausmeister Jupp Schwaderath (Dennis Prang) und Stadtarchivar Alfred Sülheim (Jens Spörckmann) sind der eigentlich informative Dreh- und Angelpunkt jeglichen lokalen und globalen Politikgeschehens.

Das neue Format Kabarett, mit Aufführungen in regelmäßigen Abständen, hat die Theaterleitung des "TaS" im vergangenen Dezember ins Leben gerufen. "Neuss ist eine Stadt mit Kabarett-Tradition", sagt Jens Spörckmann stellvertretend für das ganze Team von "Triotop", zu dem auch der Künstlerische Leiter Markus Andrae gehört. "Wir wollten das einfach wieder mehr etablieren. Bis auf die "Zugereiste" Stefanie Otten sind wir allesamt gebürtige Neusser und da war es uns natürlich noch etwas mehr Verpflichtung, lokales Geschehen in unser Programm einzubauen."

Einen Gast gibt es auch jedes Mal: Comedian Johannes Schwelm wurde für die aktuelle Staffel dienstverpflichtet. Als Pillen schluckender Motivationstrainer der etwas besonderen Art wandelt er im Laufe des turbulenten Abends irgendwann sogar auf Amors Pfaden. Im Stile eines Cyrano de Bergerac verfangen sich er und Controllerin Strack in einem fein gesponnenen Liebesnetz der Marke Sülheim/Schwaderath.

Ob Lebensmittel- oder Futterskandal, Bundesinnenministers abenteuerliche Richtlinie für das Vogelschießen oder überquellende Aschenbecher im offiziell rauchfreien Neusser Rathaus, es kommen viele aktuelle Themen auf die Bühne. Die Zuschauer im restlos ausverkauften Haus erleben einen unterhaltsamen Abend.

Auch wenn sich die Schauspieler ab und zu eines etwas derberen Sprachgebrauchs bedienen. Kurzfristig können die drei Protagonisten auf das Tagesgeschehen reagieren, kleinere Änderungen lässt das Programm zu. Sieben Termine – inklusive zweier neuer Folgen – gibt es bis zur Sommerpause zwar noch, aber auch nur einen guten Ratschlag: Hingehen!

(NGZ)
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