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Neuss: Frauennamen für Straßen selten

Neuss : Frauennamen für Straßen selten

Im Rhein-Kreis Neuss tragen deutlich mehr Straßen Männer- statt Frauennamen. In Neuss wurde zuletzt im Jahr 2006 eine Straße nach einer Frau benannt. Laut Kulturausschuss liegt das vor allem an fehlenden Neubaugebieten.

Der Rhein-Kreis Neuss ist männlich — zumindest wenn es nach den Straßennamen geht. Nicht einmal hundert Wege und Straßen tragen Frauen-, über 700 jedoch einen Männernamen. "Das ist historisch bedingt", sagt Jens Metzdorf, Leiter des Stadtarchivs. "Straßen wurden früher nach Herrschern und Berühmtheiten aus Gesellschaft, Kunst und Politik benannt. Und die waren nun einmal meist männlich."

Bereits 2003 hatten die Gleichstellungsbeauftragten des Kreises auf die ungleiche Verteilung hingewiesen. Ein Jahr später forderten sie Bürger auf, berühmte Politikerinnen, Künstlerinnen oder Wissenschaftlerinnen vorzuschlagen, die eine eigene Straße verdient hätten. In der Broschüre "FrauenStraßenNamen" stellten sie weltbekannte Frauen wie die Physikerin Marie Curie und Mutter Theresa, aber auch Persönlichkeiten aus den Städten im Kreis zur Wahl vor.

Zu wenige neue Baugebiete

"Die Aktion hat durchaus etwas bewirkt", sagt Ulrike Kreuels, die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises. Von 2003 bis 2008 kamen zu den 78 weiblichen Straßenamen im Kreis 18 hinzu, vier davon in Neuss. Danach wurde es ruhig. "Das Thema ist aber nach wie vor wichtig. Wir behalten die Entwicklung im Auge", sagt Kreuels.

Momentan allerdings entwickelt sich nichts: Nach eigenen Angaben hat der Kulturausschuss seit 2006 keine Straße mehr nach einer Frau benannt. Sein Vorsitzender, Hartmut Rohmer, hat dafür eine simple Erklärung: "Natürlich ist es nach wie vor lohnenswert, den Frauenanteil bei Straßennamen zu erhöhen. Aber wir haben eher Baulücken und nur wenige neue Baugebiete, also auch kaum Möglichkeiten, neue Straßen zu benennen."

In Neuss entscheidet der Kulturausschuss über Straßennamen. Steht ein Vorschlag zur Debatte, ist er jedoch nicht automatisch gesetzt: Zunächst einmal wird in Karten geforscht, ob die Straße nicht nach einer alten Flurbezeichnung — zum Beispiel einem nahen Feld oder Bach — benannt werden kann. Diese historischen Bezeichnungen haben im Zweifelsfall Vorrang.

Doch der Kulturausschuss muss vor der Entscheidung noch weitere, festgelegte Kriterien prüfen: Ist der künftige Namensgeber vor mindestens zwei Jahren verstorben? Ist er so ehrwürdig, dass eine Straße seinen Namen tragen sollte? Was hat er für die Stadt oder die Region bewirkt? Ob der Vorgeschlagene männlich oder weiblich ist, spielt zumindest offiziell keine Rolle.

Andere Städte sind bei der Auswahl viel strikter: In München beschloss der Kommunalausschuss im Jahr 2004, weibliche Persönlichkeiten bei der Benennung von Straßen zu bevorzugen. Das hält selbst die Gleichstellungsbeauftragte für übertrieben: "Man sollte eher abwägen, wann welcher Namens-Vorschlag angebracht ist", so Kreuels.

(NGZ)