Forsonics bei "Blue in Green" in der Alten Post in Neuss zu Gast

„Blue in Green“ in Neuss : Programmmusik ohne Störgeräusche

Programmmusik – das ist, wenn Komposition oder Improvisation einem außermusikalischen Impuls folgen. Musikgeschichtlich gibt es gelungene Beispiele – etwa der zweite Satz „Die Moldau“ aus dem Zyklus „Das Vaterland“ des tschechischen Komponisten Friedrich Smetana oder die kongeniale Jazzmusik zum französischen Film Noir von Louis Malle, „Ascenseur Por L’Échafaud“, durch den Trompeter Miles Davis.

Im Pop und Rock wurde Programmmusik durch Songtexte zum „Konzeptalbum“ entwickelt: „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ von den Beatles etwa oder Pink Floyds „The Dark Side Of The Moon“.

Die Band Forsonics hat für ihre Improvisationsmusik zufällig ein Konzept gefunden, wie der Schlagzeuger Andy Gillmann in einer Ansage beim Konzert dieses Köln-Wuppertaler Quartetts in der Reihe „Blue in Green“ in der Alten Post betonte: Nach einem Auftritt in Heidelberg habe man am nächsten Tag in einem Café in der Innenstadt gesessen, als plötzlich die Kirchturm-Uhr 12 Uhr mittags schlug. Sofort sei ihm die Assoziation zum Western-Klassiker „High Noon“ gekommen und er habe mit den anderen Musikern darüber diskutiert, ob und, wenn ja, wie man exakte Tageszeiten musikalisch verarbeiten könne. Die Idee war geboren, das Konzept für das Programm „Timeline“ nahm seinen Anfang.

Dieses Forsonics-Konzert in der Alten Post aber legte auch die Schwächen von Progammmusik offen, weil ausschließlich über die Namen der Titel der Kontext zwischen Musik und Konzept hergestellt werden kann. Nur wer den Titelnamen kennt, kann den Spielfilm „Zwölf Uhr mittags“ mit der Persönlichkeit des Wuppertalers Andy Gillmann zusammenbringen. Ohne dieses Wissen muss die Musik für sich stehen.

Und da lag bei Forsonics (Gitarrist Bert Fastenrath, Keyboarder Carsten Stüwe und Trompeter Christ Fischer gehören noch dazu) der sprichwörtliche Hase im Pfeffer. Die Improvisationsmusik zeichnete sich zwar durch eine Vielzahl ergreifend-pathetischer Momente aus, der dynamische Strom floss zumeist im ruhigen Fahrwasser, singbar-schöne Melodien bekamen ihr Fundament in tuffig-saftigen Harmonien, der rhythmische Impuls war eher kontemplativ als forsch.

Aber: Es fehlten energetische Störgeräusche, die mit Kontrasten und Brüchen die Asepsis des prachtvollen Schönklangs der Forsonics-Musik infizierten, um den musikalischen Flow dann doch aus dem Tritt zu bringen.

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