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Neuss: Förderverein soll den Hansetag retten

Neuss : Förderverein soll den Hansetag retten

Am 15. Juni unterzeichnet die Stadt Neuss in Herford die Gründungsurkunde des Fördervereins "HanseVerein". Rund 40 europäische Städte beteiligen sich. Der Verein wird gegründet, um EU-Gelder für gemeinsame Projekte zu beantragen.

Es gab sie schon einmal im Mittelalter, 1980 erlebte sie ihre Renaissance: die Hanse. Der Städtebund zählt inzwischen mehr als 180 Mitglieder aus 16 europäischen Ländern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den europäischen Gedanken in Form von kultureller, wirtschaftlicher und sozialer Zusammenarbeit zu stärken und weiterzuentwickeln. Vielen Städten fällt das aufgrund der finanziellen Lage jedoch immer schwerer. Damit dies den Zielen des Vereins nicht im Wege steht, wird am 15. Juni in Herford — dem diesjährigen Ausrichter des Internationalen Hansetages — die Gründungsurkunde des "HanseVerein — Verein zur Förderung des Internationalen Städtebunds Die Hanse" unterzeichnet. Neuss ist eines von rund 40 Gründungsmitgliedern aus ganz Europa. Das hat der Rat der Stadt am vergangenen Freitag in seiner Sitzung beschlossen.

"Die Hanse ist eine typische Organisation, die den europäischen Gedanken fortführt", argumentiert Kommissionsmitglied Angelika Quiring-Perl. Damit sei der Verein berechtigt, Fördermittel der Europäischen Union (EU) zu beantragen. "Der Gedanke der Gründung kam erstmals auf, als die Städte sagten, sie hätten kein Geld mehr und die Teilnahme am Internationalen Hansetag infrage gestellt haben. Aber erst als Ideen für wirtschaftliche Projekte aufkamen, wurde es konkret." Da die Hanse selbst keine Gelder beantragen kann, wurde beschlossen, einen Förderverein zu gründen.

Bald kann dieser tätig werden und Gelder beantragen. "Die Voraussetzung, dass mindestens drei europäische Länder beteiligt sein müssen, haben wir jedenfalls erfüllt", sagt Quiring-Perl. Sie ist vor allem sehr stolz, dass sich die Rheinische Hanse, die 2009 gegründet wurde und ein Zusammenschluss der Hansestädte Emmerich, Wesel, Kalkar, Grieth und Neuss ist, fast vollzählig als Gründungsmitglied beteiligt.

Seit dem Internationalen Hansetag im Jahr 2005 in Tartu (Estland) sind Wirtschaft und Tourismus stark in die Aufgaben der Hanse integriert. Bei den jährlich im Herbst stattfindenden Hansefesten und dem Internationalen Hansetag, dessen Ausrichter im Jahr 2022 zum zweiten Mal Neuss ist, stehen Mittelaltermarkt und die Vorstellung der anderen Mitgliedsstädte im Mittelpunkt — wiel bald auch die Wirtschaft. "Wir denken dabei an einen Austausch von bestimmten Berufszweigen", erläutert Quiring-Perl. "In Deutschland werden Fachkräfte gesucht, anderswo gibt es Berufszweige, von denen wir lernen können. Es soll ein befruchtender Austausch werden — zum Teil finanziert mit Mitteln, die wir von der EU beantragen möchten."

Frank Wolters, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung, ergänzt, dass man mit Neusser Unternehmen und dem europäische Ausland Netzwerke schaffen möchte. "Die Themen Fachkräfte und Kooperationspartner werden eine große Rolle spielen. Wir wollen die Hanse nutzen, um international Firmen zusammenzubringen."

(NGZ/ac)