Ausstellung im Zentrum für seelische Gesundheit Flutopfer findet in Neuss zurück zu seiner Kunst

Neuss/Bad Neuenahr · Beim Jahrhunderthochwasser im Ahrtal verlor Maler Karl Blank alle seine Werke. Eine Depression mit Mal-Blockade war die Folge. Die überwand er in Neuss – und stellt erstmals auch wieder aus.

Arbeiten des Malers Karl Blank, die im Krankenhaus entstanden, werden derzeit im St.-Alexius/St. Josef-Fachkrankenhaus ausgestellt.

Arbeiten des Malers Karl Blank, die im Krankenhaus entstanden, werden derzeit im St.-Alexius/St. Josef-Fachkrankenhaus ausgestellt.

Foto: Augustinus-Gruppe

Die Folgen des Jahrhunderthochwassers in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Jahr 2021 waren verheerend. Mindestens 135 Menschen starben allein im Ahrtal in der tragischen Nacht vom 14. auf den 15. Juli, zudem entstanden enorme materielle Schäden. Bis Mitte des Jahres 2023 hatten die Versicherer nach Angaben des Branchenverbandes GDV 6,7 Milliarden Euro zur Schadensregulierung ausgezahlt. Doch zu den materiellen kamen bei vielen Betroffenen auch seelische Verwüstungen. Die erfuhr auch der Maler Karl Blank. Er erlebte die Katastrophe in Bad Neuenahr, wurde krank darüber – und konnte sein Trauma erst in Neuss mit ärztlicher Hilfe überwinden.

„Allein bei uns im Ort haben 79 Menschen unter schrecklichen Umständen ihr Leben verloren, sind ertrunken und von den Fluten mitgerissen worden“, erinnert sich Blank an das Hochwasser 2021, das er gemeinsam mit seiner Frau durchstehen musste. „Wir haben Glück gehabt, wir sind körperlich unversehrt geblieben“, sagt er. Jedoch verlor er in einer einzigen Nacht einen Großteil seiner Werke. „Der Schlamm, der auf die Flut folgte, hat dann den Rest zerstört.“

Dieses Erlebnis stürzte Blank in eine schwere Depression, die mit einer kompletten Mal- und Zeichenblockade einherging. Sie machte es dem Rentner unmöglich, seine Ideen für Gemälde und Zeichnungen wie früher mit leichter Hand zu Papier zu bringen. 2022 entschied sich Blank deshalb für einen stationären Aufenthalt im St.-Alexius/St.-Josef Krankenhaus, dem Zentrum für seelische Gesundheit in Neuss. „Mithilfe einer Therapeutin konnte ich hier die Malblockade durchbrechen und in der Kunsttherapie zurück zu meiner ureigensten Ausdrucksform finden“, schilderte er seinen weiteren Weg.

Seitdem hat der Künstler wieder zahlreiche Zeichnungen und Collagen zu Papier gebracht, die er nun erstmals im Neusser Krankenhaus unter dem Titel „Freud und Leid“ einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Die Werke, so umreißt die Neusser Kunsthistorikerin Gabriele Bundrock-Hill den Kern der Präsentation, „kreisen um eine zutiefst menschliche Thematik im Leben und finden ihren Ausdruck zwischen Lebenslust und Trauer, physischem und seelischem Leid.“

Die inhaltliche Bandbreite der gezeigten Bilder reicht dabei von Giuseppe Verdi und Heinz Rühmann bis hin zu den Schrecken des aktuellen Ukraine-Krieges. Kunstinteressierte können die Ausstellung „Freud und Leid“ mit einer Auswahl von Blanks neuen Werken noch für kurze Zeit im Alexius/Josef Krankenhaus kostenfrei besuchen. Ausgestellt sind auch Bilder, die in der Klinik während der Kunsttherapie entstanden sind.

(-nau)
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