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Emsiges Treiben innerhalb des Raumes: Fitnessraum für Bücher

Emsiges Treiben innerhalb des Raumes : Fitnessraum für Bücher

Von Sebastian Peters Fast komplett verglast, in drei Himmelsrichtungen Sicht, auf die Hafenstraße, aufs Marienberg-Gymnasium und die Rheinstraße - und dennoch ist das Arbeitszimmer in der Stadtbibliothek ein verborgener Raum.

Von Sebastian Peters Fast komplett verglast, in drei Himmelsrichtungen Sicht, auf die Hafenstraße, aufs Marienberg-Gymnasium und die Rheinstraße - und dennoch ist das Arbeitszimmer in der Stadtbibliothek ein verborgener Raum.

Jeder Spaziergänger, der unten auf der Straße flaniert, könnte seinen Hals noch so weit recken, er würde wohl nur wenig sehen von dem emsigen Treiben, das innerhalb dieses Raumes herrscht. In Spitzenzeiten können dort schon mal zehn Mitarbeiter sitzen, meistens sind es jedoch weniger, weil die Plätze an den Schreibtischen im Wechsel mit denen an der Ausleihe besetzt werden. Den Augen des normalen Nutzers der Stadtbibliothek bleibt der Raum in der zweiten Etage jedoch verborgen, denn dort gilt für ihn: Betreten verboten! Bevor ein Buch oder ein Film den Weg in eines der vielen Regale der Bibliothek findet, wird es dort erst einmal tauglich gemacht für den täglichen Leseverkehr. Zunächst versehen die Bibliothekare in einem anderen Raum die Bücher mit einer Bleistiftsignatur. Der Bleistift - eigentlich doch eher ein vergessenes Schreibutensil.

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Nicht jedoch in Bibliotheken: "Aus Respekt vor dem Buch", so Annette Landgräber, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, schreibe man immer noch und nur mit dem Bleistift Markierungen hinein. Erst dann landet ein jedes Buch in dem Arbeitsraum auf der zweiten Etage; dort bekommt das Werk mit einem speziellen Drucker zunächst einmal eine Standortsignatur verpasst. Und nun beginnt der Job von Rebecca Link. Die 17-Jährige ist Auszubildende in der Stadtbibliothek und klebt in ihrem Arbeitsraum einen Einband um jedes Buch, bevor es der Leser in die Hand nehmen darf. Eine Arbeit, die gelernt sein will: Punktgenau legt Rebecca das Buch auf die Klebefolie, schneidet die Ränder ab und kickt an den richtigen Ecken um. Dabei streicht sie mit einem Tuch fortwährend über den Buchdeckel, damit darunter keine Luftblasen entstehen. Jede Mutter, die ihrem Kind einmal ein Schulbuch hat einbinden müssen, weiß von den Schwierigkeiten des bläschenfreien Einklebens wohl ein Lied zu singen. Mit Rebecca sitzen noch andere Kollegen im Raum. Annett Malek (23) etwa.

Sie kümmert sich um Vorbestellungen, sucht Filme für Vorführungen und andere Veranstaltungen aus und kennt deshalb den Bestand der Neusser Bibliothek besonders gut. Geht es jedoch um filmische oder musikalische Details, dann ist wahrscheinlich Martin Malkowski der Fachmann in der Bibliothek. Auch er sitzt in dem Arbeitsraum, allerdings vor einem Fernseher, einem CD- und einem DVD-Player. Neben ihm liegen Unmengen von CDs, Videos und DVDs mit kleinen Zettelchen dran. Auf denen stehen kurze Kommentare wie "Bild verschwommen" oder "Ton weg". Bei Martin Malkowski landen all die Medien, bei denen Ausleiher Mängel erkannt haben wollen. Er muss täglich prüfen, ob die Einwände berechtigt sind und schaut so tagein, tagaus Videos oder hört Musik. Dabei kommt's schon mal zu skurrilen Mischungen: erst ein Hörbuch über Rilke, dann ein amerikanischer Spaghettiwestern. Er weiß nie, was ihn erwartet. Die Bibliotheksnutzer, die eine Beschwerde über ein Medium äußern, müssen auf seinen Blick hoffen. Denn findet Martin nichts, gibt's auch keinen Euro zurück.

(NGZ)