Neuss: Firmen sichern sich Windkraft-Flächen

Neuss: Firmen sichern sich Windkraft-Flächen

Im Schatten der Debatte über die Windräder in Hoisten wird um die Ansiedlung von Energieanlagen in Röckrath und Allerheiligen gerungen. Gegner des Standortes Hoisten glauben, dass das Genehmigungsverfahren scheitern muss.

Die Stadtwerke Neuss haben sich alle städtischen Flächen gesichert, auf denen die Errichtung einer Windkraftanlage möglich wäre. Doch in den drei Konzentrationszonen, die im vergangenen Jahr in Hoisten, Allerheiligen und Röckrath ausgewiesen wurden, könnten auch andere Investoren zum Zuge kommen. Einer davon möchte der Projektentwickler "Energie-Kontor" aus Bremen sein, der sich in Allerheiligen Flächen sichern konnte. Abseits der andauernden Diskussion über den Bau von zwei Windrädern südlich von Hoisten werden andernorts Fakten geschaffen.

Reinhold Jung, Sprecher des Rhein-Kreises, bestätigt, dass der Kreisverwaltung als Genehmigungsbehörde ein Antrag auf einen Vorbescheid vorliegt. Damit möchte ein privater Investor die planungsrechtliche Zulässigkeit von zwei Windkraftwerken in Allerheiligen prüfen. Erst mit einem positiven Vorbescheid könnten im nächsten Schritt Bau und Betrieb beantragt werden. Der Antrag ruht, weil der Investor bis Ende Februar Zeit hat, einige Unterlagen nachzureichen.

Was Jung aus Datenschutzgründen nicht sagen kann, bestätigt Cristine Kratzsch vom Aachener Büro der Firma Energie-Kontor, die unter anderem den Windpark Zülpich betreibt: "Wir führen im Kreis zu verschiedenen Grundstücken Gespräche." Auch in Allerheiligen. Die Flächen seien gesichert, weil man erst dann in ein Genehmigungsverfahren einsteigen könne.

Weiter im Fluss ist auch das Vorhaben von Abo-Wind aus Wiesbaden, in der Konzentrationszone in Röckrath eine zweite Anlage zu errichten. Die Stadt wehrt sich mit rechtlichen Mitteln, das Verfahren ist noch beim Verwaltungsgericht anhängig, bestätigt Planungsdezernent Christoph Hölters. Er rechnet in Kürze mit einer Entscheidung.

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Aus Sicht der Stadtwerke Neuss, die in Hoisten die beiden umstrittenen Windanlagen bauen wollen, ist die Fläche in Allerheiligen ein B-Standort. "In Hoisten ist mit zwei Rädern mehr möglich als in Allerheiligen mit dreien", sagt Projektleiter Johannes Steinhauer. Das immissionschutzrechtliche Verfahren läuft, die Bevölkerung soll in diesem Zuge mitbeteiligt werden und etwaige Einwände erheben können.

Der Hoistener CDU-Stadtverordnete Karl-Heinz Baum ist überzeugt, dass der Antrag einer kritischen Prüfung durch den Rhein-Kreis nicht standhalten wird. Abstände zur Wohnbebauung, die Windhöffigkeit und Vorschriften zur Luftverkehrssicherheit liefern seiner Ansicht nach unter anderem dazu die Argumente.

Zusätzlichen Sand ins Getriebe brachte jetzt die Entscheidung im Ausschuss für Liegenschaften, den Verkauf eines landwirtschaftlichen Grundstückes in Hoisten zu stoppen. Das wollte ein Landwirt mit dem Geld kaufen, das ihm als Entschädigung für die Verschattung seiner Flächen durch die geplanten Windräder zugestanden hätte. Die Entscheidung sei mit offenen Fragen etwa zum Quadratmeterpreis zu begründen, betont die CDU-Fraktionsvorsitzende Helga Koenemann. Das Votum richte sich nicht gegen die Windenergie. Der Beschluss aus dem Vorjahr stehe.

(NGZ)
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