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Neuss: Finanzamt: Chaos nach Umzug?

Neuss : Finanzamt: Chaos nach Umzug?

Die Neuorganisation der Finanzämter hat Folgen: Alle Steuernummern werden geändert. Unklar ist, ob Arbeitnehmern dies schriftlich mitgeteilt wird. Gewerkschaftler befürchten Bürger-Unmut und Mehraufwand.

Am Freitag, 18. März, wird der letzte Tag sein, an dem das Finanzamt Neuss an der Schillerstraße, geöffnet ist. Danach beginnt der Umzug und am Ende wird der Abriss des Hochhauses stehen. Aus den drei Finanzämtern Neuss I und II sowie Grevenbroich werden nämlich jetzt zwei. Künftig bearbeitet das Finanzamt Grevenbroich Steuerakten nicht nur für die Schlossstadt, Jüchen und Rommerskirchen, sondern auch für alle Korschenbroicher und Dormagener. Rund 130 Mitarbeiter wechseln dafür aus Neuss nach Grevenbroich. Das neue, erweiterte Finanzamt im Hammfeld ist für die Quirinusstadt, Kaarst und Meerbusch zuständig.

Die Folgen sind weitreichend: Tausende Bürger im Kreis erhalten eine neue Anlaufstelle für ihre Steuererklärung. Und nicht nur das: Sämtliche Steuernummern werden geändert. Offen ist die Frage, wie der Steuerzahler denn davon erfährt. "Auf Anweisung des Finanzministeriums sollen nur Unternehmer ein Schreiben mit Informationen erhalten, welches Finanzamt für sie zuständig ist und wie die neue Steuernummer lautet – die 120 000 Arbeitnehmer im Rhein-Kreis dagegen nicht", empört sich Tom Mostert, Vorsitzender des Ortsverbandes Neuss II der Deutschen Steuer-Gewerkschaft. "Da wird von Bürgerfreundlichkeit geredet – und dann bei der Information der Rotstift angesetzt. Die Umstrukturierung kostet einen zweistelligen Millionenbetrag. Da darf es an etwa 60 000 Euro fürs Porto nicht fehlen." Die drei betroffenen Ortsverbände distanzieren sich von einem solchen Vorgehen, sie befürchten erheblichen Ärger beim Bürger und Mehraufwand für Mitarbeiter. Mostert: "Wenn Bürger ihre neue Nummer nicht kennen, müssen wir diese personalintensiv heraussuchen, die Bearbeitungszeit verlängert sich."

Im Finanzministerium erklärt dagegen Pressereferent Daniel Moritz: "Die Bürger werden durch Aushänge und Medien informiert. Ob Arbeitnehmer vor der Fusion einzeln angeschrieben werden, ist noch nicht entschieden." Kosten und Nutzen müssten sorgfältig abgewogen werden. Spätestens mit dem nächsten Steuerbescheid werde die Nummer allen mitgeteilt.

Verständnis für den Fall, dass Arbeitnehmer nicht einzeln angeschrieben werden, äußert die Interessengemeinschaft der Lohnsteuerzahler (Düsseldorf). Sprecher Cornelius Tschierdewahn: "Auf den ersten Blick sieht es nach einem schlechten Service aus. Aber aus Kostengründen kann dies durchaus richtig sein. Der Steuerzahler wird ja die neue Steuernummer erfahren, wenn das Finanzamt etwas von ihm will und ihn anschreibt."

(NGZ)