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Neuss: Festival-Hilfe aus Italien

Neuss : Festival-Hilfe aus Italien

Alessandra Alghisi studiert an der Universität von Bergamo und hat beim Kulturamt ein dreimonatiges Praktikum gemacht. Ihre Hauptaufgabe: die Vorbereitung des Shakespeare-Festivals.

Natürlich würde sie gerne länger bleiben: Wenn Alessandra Alghisi am 18. Mai zurückfliegt in das kleine Dorf in der Nähe der norditalienischen Stadt Brescia, in dem sie mit ihren Eltern und Schwestern lebt, nimmt sie viele lebendige Eindrücke von Neuss und den Menschen mit, die sie hier kennengelernt hat. Vor allem aber die Erfahrung, dass es ihr gut gefallen hat: "Neuss ist eine ruhige Stadt mit vielen Parks und Grünflächen, wenig Verkehr und guten öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Beste aber ist ihre lebendige Kultur"s sagt sie.

Wie lebendig, das hat die 24-jährige italienische Studentin im Zuge eines dreimonatigen Praktikums im Neusser Kulturamt aus nächster Nähe erfahren. Als Assistentin von Andreas Giesen arbeitet Alghisi schon seit Wochen an der Vorbereitung des Shakespeare-Festivals, hat geholfen, Pressekonferenzen und Sponsorenabende zu organisieren, Broschüren und Pressematerial zu erstellen und all die kleinen und größeren Dinge zu regeln, die es braucht, damit ab dem 17. Juni wieder mal alles reibungslos läuft.

Dass Alessandra Alghisi dann schon einen Monat wieder zuhause sein wird, ist ein kleiner Wermutstropfen ihrer Arbeit in Neuss: "Es ist schade, aber auch bei der Vorbereitung habe ich sehr viele nette Leute kennengelernt. Und vielleicht schaffe ich es ja, zu einer Vorstellung zu kommen", sagt sie. Das ist in Zeiten der Billigflieger kein großes Problem, eher schon liegt's an der Zeit, die dafür nötig ist. Denn schon ab dem 1. Juni hat die aktive junge Frau mit den zarten Sommersprossen und dem unverwüstlich sympathischen Lächeln eine Stelle als studentische Hilfskraft an der Universität von Bergamo. Die akademische Sprache in Italien und Deutschland wird die Studentin der Germanistik und Anglistik untersuchen und darüber im kommenden Frühjahr auch ihre Master-Arbeit schreiben.

Das Interesse an der deutschen Sprache hat sie seit ihrer Schulzeit nicht verlassen. Um auch das Land näher kennenzulernen, bewarb sie sich über das Erasmus-Programm der Europäischen Union, das mit Stipendien und Vermittlung die Mobilität europäischer Studenten fördert, gezielt für das Praktikum im Neusser Kulturamt.

"Vieles ist anders hier, die Architektur, aber auch die Menschen", erklärt Alessandra Alghisi ihre Erlebnisse in Neuss: "Vielleicht kann man es nicht verallgemeinern, aber meiner Erfahrung nach hat Respekt für die Menschen hier eine große Bedeutung. Respekt vor anderen, aber auch vor der Umwelt."

Auch ein klein wenig Heimweh hatte sie bisweilen, nicht so sehr nach den Eltern und Freunden, mit denen sie über Skype regelmäßig verbunden ist, sondern "nach italienischem Essen, vor allem der italienischen Pizza, die ganz anders schmeckt, weil sie mit anderem Käse gemacht wird".

Die erstaunlichste Erfahrung in Neuss war für sie die Entdeckung, dass Männer beim Einstieg in den Bus grundsätzlich den Frauen den Vortritt lassen: "Das war mir sehr neu und hat mich wirklich überrascht", sagt sie und muss darüber selbst schmunzeln.

(NGZ)