Fernsehmoderator Bernd Müller ist tot

Nachruf: Er liebte Neuss und die Neusser

Fernsehmoderator Bernd Müller ist am Freitag im Alter von 78 Jahren verstorben.

Fernsehmenschen, man verzeihe das Vorurteil, sind abgehoben und bleiben am liebsten unter ihresgleichen. Bernd Müller war nichts von alledem – und trotzdem ein „Fernsehmensch“ durch und durch. Am Freitag ist der ehemalige Redaktionsleiter der legendären WDR-Sendung „Hier und Heute“, der Gastgeber von Talkshows wie „mittwochs in“ und Moderator von „Wunderschönes NRW“ im Alter von 78 Jahren in Neuss gestorben.

Für den Neusser war Bernd Müller keines von all dem. Für den Neusser war Bernd Müller einer der Ihren. Er war der Mann, den man Samstagmorgens am Blumenstand auf dem Wochenmarkt traf. Oder mittags beim Italiener. Dort saß er und grüßte nach allen Seiten. Denn Bernd Müller war beliebt und bekannt. Aufhebens hat er nie davon gemacht, mit einem „Promi-Status“, mit dem andere gnadenlos hausieren gegangen wären, nie geprunkt und geprotzt. Manch einer, der ihn erstmals dort sah, am Blumenstand oder beim Italiener, murmelte leise: „Den kenn’ ich doch aus dem Fernsehen.“ Und schob die Frage nach: „Ist er das wirklich...?“ Denn das bescheidene Auftreten, die ruhige, bedächtige Art, die er auch bei seinen Fernsehauftritten rüberbrachte, waren nicht sein Markenzeichen. Sondern seine Art, zu leben.

Kein Wunder, dass sich Bernd Müller engagierte. Als Journalist sowieso. „Generationen junger Reporterinnen und Reporter haben von ihm gelernt, wie man hart und bestimmt, aber trotzdem freundlich Fragen stellt,“ schreibt WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn in seinem Nachruf. Denn das freundliche Wesen, das Müller vor allem dann ausstrahlte, wenn er mit seinem roten Bugatti durchs „Wunderschöne NRW“ reiste, hinderte ihn nicht, Kritik zu äußern und kritische Fragen zu stellen.

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Engagiert hat sich Bernd Müller auch in und für die Stadt, in der er lebte und die er liebte (obwohl er gebürtiger Düsseldorfer war). In der Bürgerstiftung, die mit ihm eines ihrer prägenden Gesichter verliert: „Er war ein Mann der ersten Stunde, dem die Stiftung unendlich viel zu verdanken hat. Wir werden ihn vermissen,“ sagt Stiftungs-Vorsitzende Dorothea Gravemann.

Vermissen werden ihn viele. Wenn Jutta Zülow am ersten Samstag im Mai zum Tandem-Tag bat, war Bernd Müller stets zur Stelle. Nicht bloß als Gast, sondern, solange es die Gesundheit zuließ, aktiv an der Seite der geistig behinderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf dem Tandem. Die wussten vielleicht nicht mal, wer der Mann war, der neben ihnen auf dem Dreirad saß. Das war Bernd Müller egal – er hat alle mit seiner Herzlichkeit angesteckt, bis zuletzt.

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