Neuss: FDP will eine CDU-Mehrheit im Stadtrat verhindern

Neuss : FDP will eine CDU-Mehrheit im Stadtrat verhindern

Nach dem verheerenden Abschneiden der FDP im Bund hat der Bundeswahlleiter die Liberalen in seinem vorläufigen amtlichen Endergebnis schon unter "Sonstige" verbucht.

"So geht das", bilanziert Wolfgang Düsing vom Amt für Wirtschaftsförderung, der nach einer kurzen Nacht schon eine erste Wahlanalyse vorlegen konnte. Immerhin: In seiner Rechnung wäre die FDP noch "drin" — mit 6,2 Prozent der Zweitstimmen im Wahlbezirk 108 und 6,4 Prozent bezogen auf das Stadtgebiet und die 77 949 in Neuss abgegebenen Stimmen.

Das Ergebnis der FDP in Neuss (minus 11,7 Prozent bei den Zweitstimmen) war auch gestern das bestimmende Thema, denn es kann unmittelbare Auswirkungen haben. Nachdem der FDP-Parteivorsitzende Reiner Reimann einen Kommunalwahlkampf unter dem Motto "Absolute CDU-Merheit verhindern" angekündigt hat, fragen sich Beobachter, wie die Ratskoalition von CDU und FDP bis dahin funktioniert.

Roland Kehl von den Grünen, tief enttäuscht über eigene Verluste (-2,5 Prozent) und damit eigentlich gut beschäftigt, glaubt nicht (mehr) an einen gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten von CDU und FDP und hält auch einen Bruch für möglich. Seine vermutete Sollbruchstelle: der Streit um das Projekt Nievenheimer Straße des Bauvereins. CDU-Fraktionschefin Helga Koenemann allerdings hält die Mitglieder der FDP-Fraktion, "für so politikerfahren, dass sie wissen: Wir müssen die Koalition gut zuende bringen."

Die Wahlbeteiligung lag bei 70,7 Prozent und damit auf dem höchsten Wert seit 2005. "Das hat uns sicher geholfen", sagt der Neusser CDU-Vorsitzende Jörg Geerlings. Seine Partei errang in Neuss 45,4 Prozent der Zweitstimmen (plus 8 Prozent) und setzte mit Hermann Gröhe den Direktkandidaten durch. Er erhielt in der Stadt 52,3 Prozent der Erststimmen.

Bemerkenswert nannte Düsing an dem Ergebnis, dass die Werte von Stadt und Wahlkreis 108 nicht nennenswert variieren. Bemerkenswert auch, dass die CDU- und nicht mehr die Nichtwähler die — bezogen auf die Gesamtzahl der 110 190 Wahlberechtigten — größte Gruppe sind. Bewahrheitet hat sich nach Düsings Ansicht ferner, dass Briefwähler mehrheitlich CDU-Anhänger sind. Jeder zweite Briefwähler stimmte für die Union, nicht einmal jeder vierte für die SPD, aber immerhin zwei von zehn für die FDP.

Die Stimmen auf die Bezirke der Kommunalwahl verteilt, zeigt sich einmal mehr: Hoisten (53,4 Prozent) ist eine Hochburg der Union, nur im Bezirk Furth (36,5 Prozent) lag die SPD vorne. FDP und Grüne verloren überall, die Grünen vor allem am Hermannsplatz (-3,9). Der Bezirk galt und gilt allerdings noch immer als Grünen-Hochburg.

(NGZ)
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