Neuss: Farben und Formen des Niederrheins

Neuss: Farben und Formen des Niederrheins

Helmut Hahn hat dem Clemens-Sels-Museum rund 250 Arbeiten auf Papier vermacht. Eine Ausstellung beleuchtet das grafische Spätwerk des Künstlers. Für das Betrachten der Bilder sollten sich die Besucher ausreichend Zeit nehmen.

Schraffuren, Linien und Farbkontraste - mit diesen wenigen Begriffen ließe sich das abstrakte Spätwerk von Helmut Hahn kurz umreißen. Doch wenn Direktorin Uta Husmeier-Schirlitz einen Wunsch an die Museumsbesucher richten könnte, dann den: Dass sie sich Zeit nehmen für einen Blick auf die Arbeiten des in den Kreisen der Farbmalerei geschätzten Künstlers. Denn erst dann zeigt sich, dass seine Reflexionen über den Menschen und die Natur sowie über das Werden und Vergehen Eingang in seine Zeichnungen und Gouachen gefunden haben. Bei einer nahsichtigen Lesung lässt sich auch die teils changierende, teils fein gestrichelte Struktur seiner Werke erkennen.

Foto: Woitschützke Andreas

Hahn allein auf das Abstrakte zu reduzieren, wäre viel zu kurz gegriffen. Der Künstler, der bis zu seinem Tod im Jahr 2017 in Korschenbroich wohnte, liebte die niederrheinische Landschaft. Und so lassen sich in seinen Linien, Flächen und Farbkontrasten immer wieder Felder oder Horizonte erahnen. Der Künstler spielt mit den Erinnerungen des Betrachters, der Schraffuren und Linien im Bild mit Landschaften oder mit anderen Orten verknüpft, an die er sich erinnert fühlt. "Das Kopfkino setzt ein", so formuliert es Kuratorin Romina Friedemann.

Bis zum 15. April werden rund 25 Arbeiten auf Papier aus dem Spätwerk von Helmut Hahn gezeigt. Der hatte dem Neusser Museum in seinem Testament 250 Arbeiten auf Papier aus den Jahren 2013 bis 2016 vermacht. Der Kontakt zum Clemens-Sels-Museum kommt nicht von ungefähr: Bereits 1999 hatte der damals 70-Jährige dem Haus ein Konvolut von 200 Arbeiten aus den Jahren von 1989 bis 1999 geschenkt.

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Helmut Hahn wusste die kleine aber feine Sammlung der Farbmalerei des Museums zu schätzen und wollte sie mit seinen Werken weiter ausbauen. Gisela Götte, die ehemalige stellvertretende Leiterin, sollte Recht behalten, als sie schon damals mutmaßte, dass es sich noch nicht um sein Spätwerk handeln würde. Entsprechend bezeichnet Uta Husmeier-Schirlitz sein Vermächtnis aus den Jahren 2013 bis 2016 als "spätes Spätwerk." Auch diese Werke ergänzen wunderbar den musealen Sammlungsschwerpunkt der Farbmalerei.

Hahn arbeitete stets in Werkphasen und in Serien, und seine Werke sind in Museen in Zons, Brühl und Kleve vertreten. 1928 in Mönchengladbach geboren, studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie, dann an der Textilingenieurschule Krefeld und später an der Werkkunstschule Wuppertal. So wundert es nicht, dass seine Werkgruppen Aquarelle, Gouachen und Fotografien umfassen, aber auch Textilarbeiten und Wandbehänge.

In seinen späten Arbeiten meint man in ihrer Struktur und ihrem Rhythmus Anklänge an seine Textilarbeiten zu erkennen. Die Ausstellung und eine geplante Publikation über repräsentative Werke seines gesamten Schaffens werden posthum dafür sorgen, dass Hahn ein Publikum findet, das er zu Lebzeiten nicht intensiv gesucht hat. Gestern wäre er 90 Jahre alt geworden.

(NGZ)