Neuss: Fackelbauhalle aus Winterschlaf erwacht

Neuss: Fackelbauhalle aus Winterschlaf erwacht

An der Neusser Weyhe wird schon wieder fleißig geplant, gemalt und gehämmert. Aus gutem Grund: Schließlich müssen die Fackeln in rund sieben Wochen fertig sein. Das gemeinschaftliche Handwerken hat auch eine soziale Komponente.

Der Ton ist freundschaftlich-rau. "Der is' nur am quatschen, der Jung'. Ich dachte, du wärst längst fertig", sagt Michael Kalkmann, als er im Schalke-04-Trainingsanzug breit grinsend die kalte Fackelbauhalle an der Neusser Weyhe betritt. "Der Jung" ist in diesem Fall Robert Dost, der auf einer Treppenleiter steht und sich mit Pinsel und dunkelroter Farbe an einem Hubertushirsch versucht. Dost ist Oberleutnant beim Zug "Springender Hirsch", der im vergangenen Jahr 40 Jahre alt wurde.

Für ihn und die weiteren Fackelbauer der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Neuss-Furth geht es in diesen Tagen wieder so richtig los. Schließlich müssen die großen, liebevoll gestalteten Wagen bis Pfingsten fertig sein. Da vergehen sieben Wochen gerne wie im Flug. "Die Jungs scharren vor Ostern schon mit den Hufen", sagt Andreas Engels. Er ist so etwas wie die gute Seele der Fackelbauhalle. Der Platz- und Zeltwart schaut, dass alles reibungslos abläuft. Er koordiniert, hat immer ein offenes Ohr und weiß, wo überall Schlüssel für die Halle im Umlauf sind. In Sachen Fackelbau macht ihm so schnell niemand etwas vor - an rund 25 Wagen hat er schon mitgearbeitet.

Wer in diesen Tagen einen Blick in die Further Fackelbauhalle wirft, der entdeckt die Kunst des Vergänglichen. Pappmache-Figuren wirken mit den spitzen Drähten, die aus ihren teils abgerissenen Köpfen ragen, wie Zombies. Überall liegen Balken, Farbeimer und Werkzeug. Es riecht nach Farbe und Holz. "Das Schöne am Fackelbau ist, dass sogar Menschen wie ich, die zwei linke Händehaben, etwas machen können", sagt Thomas Loebelt, Sprecher der Schützenbruderschaft.

Für die Fackelbauer habe die Arbeit auch eine soziale Komponente. "Nach der Arbeit findet man hier Entspannung und Ruhe. Man unterhält sich und trinkt im Anschluss gerne ein Bierchen zusammen", sagt er. Es sei faszinierend zu sehen, wie eine skizzierte Idee nach und nach in die Realität umgesetzt wird.

Robert Dost geht noch mehr ins Detail und beschreibt den Entstehungsprozess. "Als erstes wird die Fackel aus dem vergangenen Jahr abgebaut. Dann überlegt man sich ein Thema und die Realisierung", sagt der Oberleutnant. Ein- bis zweimal die Woche komme man an der Neusser Weyhe zusammen, um an der Fackel zu arbeiten. "Jeder bringt sich mit seinen Fähigkeiten ein. Ich bin eher so der Künstler", sagt Dost augenzwinkernd, ehe er wieder vorsichtig die Treppenleiter hinaufsteigt, um sich seinem dunkelroten Hubertushirsch zu widmen. Schließlich müssen auch noch Zugname und Gründungsjahr aufgemalt werden.

Die "Jungs" vom Zug "Springender Hirsch" hatten im vergangenen Jahr ganz schön Pech. Ausgerechnet im 40. Geburtstagsjahr entdeckten sie plötzlich einen Riss an der Rückwand der Fackel. "Wir wissen nicht, wie es passiert ist", sagt Michael Kalkmann. Für den Umzug war die Rückwand noch notdürftig geflickt worden, doch sie zu erneuern, ist eine der ersten Amtshandlungen der "Fackel-Männer". "Wie gefällt er euch, Jungs?", fragt Dost seine Kollegen Dietmar Freimann und Michael Kalkmann, während er mit ruhiger Hand den Hubertushirsch pinselt. "Ach, das soll ein Hirsch sein?", fragt Kalkmann scherzhaft. Freundschaftlich-rau eben.

(jasi)