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Neuss: Fachkräftemangel erschwert die Betreuung junger Flüchtlinge

Neuss : Fachkräftemangel erschwert die Betreuung junger Flüchtlinge

Schon rund 60 Flüchtlinge im Alter zwischen 14 und 17 sind dieses Jahr ohne Begleitung eines Elternteils in Neuss ankommen, bis auf eine Ausnahme alles Jungen. Und die Stadt stellt sich darauf ein, noch wesentlich mehr unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen, zumal ein neues Gesetz eine gleichmäßigere Verteilung auf die Kommunen vorsieht. Wie genau die Quote für die Quirinusstadt aussehen wird, steht noch nicht fest. "Vor einer Zuweisung werden wir aber immer erst beim Jugendamt anfragen, ob Kapazitäten da sind", versprach Lorenz Bahr, Jugenddezernent beim Landschaftsverband Rheinland (LVR), jetzt im Jugendhilfeausschuss.

Die Unterbringung ist nicht so einfach, bestätigte Jugendamtsleiter Markus Hübner. "Es ist schwer, geeignetes Personal zu finden." Pädagogen - am liebsten noch mit Fremdsprachenkenntnissen - seien im Moment Mangelware. Außerdem sei man auf der Suche nach weiteren passenden Räumen.

Denn normalerweise werden unbegleitete Jugendliche in betreute Wohngemeinschaften gebracht, wenn Sozialarbeiter oder Polizisten in den Landeseinrichtungen im ehemaligen "Alexius" oder in der früheren Schule am Wildpark auf sie aufmerksam werden. Aber nicht immer. "Die jungen Flüchtlinge haben in der Regel eine anderthalbjährige Flucht hinter sich und sich in dieser Zeit eventuell einer Gruppe angeschlossen", sagte Bahr. "Wenn sie bei diesen neuen Bezugspersonen bleiben wollen, wird darauf Rücksicht genommen - auch wenn allen klar ist, dass Massenunterkünfte kein idealer Ort für ein Kind sind."

Warum die Jugendlichen ohne Eltern in Deutschland ankämen, habe unterschiedliche Gründe. "Einige werden erst auf der Flucht von ihren Eltern getrennt, andere werden schon alleine losgeschickt und wieder andere flüchten, weil ihre Familie ausgelöscht wurde", berichtete Bahr. Klar sei aber: Die Asylanträge der jungen Flüchtenden würden zu 85 Prozent anerkannt - sofern die jungen Menschen nicht noch weiter wollten. "Es gibt durchaus Jugendliche, deren Ziel zum Beispiel Schweden ist, weil sie dort Verwandte haben. Dann halten wir sie hier auch nicht."

(sug)