Neuss: Extra-Technik gegen Gestank

Neuss : Extra-Technik gegen Gestank

Die umfangreichen Reinigungsarbeiten in der Ölmühle Sels waren erfolglos. Viele Neusser und Düsseldorfer beschweren sich nach wie vor über den fauligen Geruch. Jetzt wird eine mobile Zwischenlösung eingesetzt.

Die Klagen von Anwohnern in Neuss und Düsseldorf über beißende Gerüche, die von der Ölmühle Sels im Neusser Hafen ausgehen, halten an. Noch bis Mitte November gaben sich Umweltdezernent Karsten Mankowsky vom Rhein-Kreis Neuss und Ölmühlen-Geschäftsführer Winfried Dallmann optimistisch.

Wochenlange Reinigungsarbeiten und ein optimierter Bio-Filter sollten verhindern, dass bei der Ölsaaten-Produktion ein fauliger Geruch entsteht. Mit Messungen sollte dieses Ziel in der kommenden Woche belegt werden. Doch schon jetzt steht fest: Die bisherigen Arbeiten in dem Neusser Werk waren erfolglos.

"Wir sind alle sehr betrübt", stellt Karsten Mankowsky fest. Noch vor Auswertung der Messergebnisse sei klar, dass die Dämpfe in der Mühle zu schwefelhaltig seien. Der beißende Geruch könne deshalb nicht verhindert werden.

Bei einem Werksbesuch hat sich Mankowsky selbst ein Bild von der aktuellen Lage gemacht. "Zu dem Zeitpunkt roch es normal. Eine Ausnahme, wie man leider feststellen muss", gibt der Umweltdezernent zu. Für alle Fachleute sei es unverständlich, dass die Arbeiten zu keiner Verbesserung geführt haben.

Julian Sels, Geschäftsführer der gleichnamigen Ölmühle, entschuldigt sich: "Es tut uns sehr leid, dass die Neueinstellungen noch nicht dazu geführt haben, dass sich die Situation verbessert hat. Wir haben viel Verständnis für den Ärger der Anwohner." Sels setzt nun kurzfristig eine mobile Anlage zur Verbrennung der Abluft ein. Dadurch soll die bestehende Abluftreinigung verstärkt werden. Sels: "Gleichzeitig werden wir unsere Ablufttechnik mit der gebotenen Sorgfalt so einstellen, dass das Resultat innerhalb der nächsten Wochen stimmt."

Darauf hofft auch Ingrid Schulte. Anwohnerin an der Bleichgasse hatte im November Gerüche ausgemacht, "gegen die war der Gestank von faulen Eiern nichts". Karsten Mankowsky kann den Ärger verstehen. Auch die Tatsache, dass viele Bürger eine Stilllegung des Betriebes befürworten und Düsseldorfer schon von Klage sprechen, ist für den Umweltdezernenten "nachvollziehbar". Schließlich wolle man sich als Bürger nicht 24 Stunden lang mit fauligem Geruch herumschlagen.

Die Ölmühle dauerhaft außer Betrieb zu nehmen, mache laut Mankowsky allerdings keinen Sinn. "An eine solche Entscheidung sind Klagen gebunden, die jahrelang andauern. Der beißende Geruch würde erst einmal bleiben", betont Mankowsky. Er setzt ebenso wie Julian Sels auf eine Zusammenarbeit. Sels: "Alle Beteiligten wissen, dass so ein Umstellungsprozess seine Zeit braucht. Es handelt sich um einen komplizierten Vorgang."

(NGZ)
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