Neuss: Existenzgründer braut Bier nach Wunsch

Neuss: Existenzgründer braut Bier nach Wunsch

Holger Wirtz hat in Uedesheim das Unternehmen "Bierzuliebe" gegründet. Das Start-Up bietet seinen Kunden an, sich per Internet ein individuelles Bier zusammen zu stellen. Erklärtes Ziel ist ein "Champagner unter den Bieren".

Seit zwei Wochen ist die Internetseite online, einige hundert Flaschen sind bereits bestellt worden. Holger Wirtz ist damit sehr zufrieden. Der 44-Jährige ist Gründer des Start-Ups "Bierzuliebe". Dessen Prinzip ist ähnlich wie bei mymeusli.de oder chocri.de - nur halt mit Bier statt Müsli oder Schokolade.

"Bierzuliebe braut individuelles Bier nach Kundenwunsch", erklärt Wirtz. Auf der Internetseite können Kunden anhand von fünf Eigenschaften ihr eigenes Bier "konfigurieren". Dies wird dann nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut und innerhalb von einer Woche versandt. Abgefüllt wird es in einer edlen Glasflasche mit Champagnerkorken. Das Etikett kann der Kunde beschriften. "Wir wollen ein Erlebnis kreieren", sagt Wirtz. Das solle Bierzuliebe gewissermaßen zum "Champagner unter den Bieren" machen.

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Ganz modern gibt sich das Start-Up in einer Stadt, in der Bier eine lange Tradition hat. Schon 1339 gab es in Neuss nachweislich ein Brauamt. Laut Archäologe Carl Pause wurde in der Quirinusstadt "das heutige Altbier mitentwickelt". 41 Brauereien gab es im 16. Jahrhundert. Heute wird nur noch in der Hausbrauerei "im Dom" gebraut. Bierzuliebe lässt sein Produkt in einer Partnerbrauerei in Berlin herstellen. "Wenn wir Erfolg haben, wollen wir aber in eine eigene Brauerei in Neuss investieren", sagt Wirtz, der mit seiner Familie seit 2011 in Uedesheim wohnt. "Neuss ist eine wunderschöne Stadt", sagt der 44-Jährige, der beruflich schon weit herumgekommen ist. So lebte er etwa für dreieinhalb Jahre in Brasilien. Der Maschinenbauingenieur war bei einem Hersteller von Sanitärarmaturen in der Entwicklung tätig, leitete ein Werk. Auch seine beiden Mitstreiter Mario Marinoff (studierter Lebensmittelchemiker) und Thomas Kredatus (Unternehmensberater) hätten beruflich eigentlich sehr zufrieden sein können. Warum also was Neues anfangen? "Wir wollten einfach auf unser Bauchgefühl hören und uns noch einmal ins Abenteuer stürzen", sagt Wirtz. Die Idee für Bierzuliebe entstand im November 2012. Zunächst trieben Wirtz, Marinoff und Kredatus ihre Idee abends und an Wochenenden voran. "Irgendwann war klar, das geht nicht mehr nur in der Freizeit", sagt Wirtz. 16 bis 18 Stunden beschäftigt er sich heute pro Tag mit dem Projekt.

Größtes Problem bei der Umsetzung der Idee vom individuellen Bier war, dass Pils mindestens sechs Wochen im Brauprozess benötigt und selbst kleine Brauereien immer mindestens 1000 Liter ansetzen. Die Lösung sind sogenannte Vorprodukte (Cuvées), bei denen der Brauprozess gestoppt wird. Geht eine Bestellung ein, werden die Vorprodukte zusammengefügt. So können die individuellen Wünsche des Kunden berücksichtigt werden. Das Modell kommt an, wie der Erfolg der ersten zwei Wochen zeigt. Einzelbestellungen, aber auch größere Anfragen für Events liegen dem Start-Up bereits vor. "Wir sind total euphorisiert", sagt Wirtz.

(NGZ)
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