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Ex-Schützenkönig Thomas Nickel sucht sein Geschenk an die Stadt Neuss

Schützenkönig macht Kunstgeschenk fürs Rathaus Neuss : Nickel vermisst seinen „Schützenwald“

Als Schützenkönig schenkte der spätere Präsident der Stadt Kunst von Dieter Patt. Jetzt musste der „Schützenwald“ dem neuen Bürgeramt weichen und lagert im Magazin. Der Stifter murrt. Er drängt auf Rückkehr in die Öffentlichkeit.

Wer durch diesen „Schützenwald“ wandert, begegnet vertrauten Gestalten aus dem Neusser Stadtbild, so wie es sich alljährlich am letzten August-Wochenende präsentiert: Nüsser Röskes, Hönes und Kürassier, Grenadier und Scheibenschütze, Sappeur und Artillerist, Batallioner und Trommler. Mehr als 25 Jahre musste sich kein Neusser vor die Tore der Stadt begeben, um diesen „Schützenwald“ zu erleben. Ein Gang ins Rathaus genügte. Wer den Seiteneingang „Passage“ nutzte, um ins Bürgeramt zu gelangen, der sah linker Hand den „Schützenwald“.

Doch nach dem jüngst abgeschlossenen Umbau des Bürgeramtes ist der „Schützenwald“ verschwunden – abgeholzt und nicht wieder aufgeforstet. „Wo ist mein Geschenk?“, fragt Thomas Nickel, „ich war guten Mutes, dass es an seinem angestammten Platz wieder aufgestellt wird.“ Nach der Neugestaltung des Bürgeramtes fehle dort ein Ort, an dem das siebenteilige Stelen-Ensemble zur Wirkung komme, sagt Peter Fischer, Sprecher der Stadtverwaltung. Das Kunstwerk werde sachgerecht im Magazin aufbewahrt, bis ein „angemessener“ Standort gefunden sei.

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So kristallisiert sich langsam aber sicher eine typische (Schützen-)Anekdote der Neusser Art heraus. Doch der Reihe nach. In Neuss ist es guter Brauch, dass der amtierende Schützenkönig der Bürgerschaft ein nachhaltiges Geschenk macht. Als Thomas Nickel und seine Frau Ruth 1990/91 das Königspaar waren, beauftragten sie den damaligen Landrat Dieter Patt, der zugleich als Künstler arbeitete, ein Kunstwerk mit Bezug zu den Schützen zu schaffen. Am Ende formierten sich sieben bunte Holzstelen mit Schützen-Motiven zum „Schützenwald“. Die Stadt Neuss nahm das Geschenk an und im Bereich des Rathaus-Einganges „Passage“ wurde ein dekorativer Standort gefunden.

So weit, so gut. Aber als nun ein Umbau des Bürgeramtes dringend geboten war, musste das Kunstwerk weichen – offenbar, ohne dass parallel über einen alternativen Standort nachgedacht worden war. „Ich habe bisher nichts gehört“, sagt Thomas Nickel: „Wenn mit mir als Stifter nicht das Gespräch gesucht wird, dann gehe ich davon aus, dass sich am Standort für mein Kunstgeschenk nichts ändert.“ Ihn irritiere das Verfahren: „Nach meiner Auffassung müsste nun ein erster Aufschlag von Seiten der Stadt kommen, wie es weiter gehen soll.“

Ratlos reagiert auch Ratsherr Michael Ziege. Der Vorsitzende des Kulturausschusses kennt das Thema nach eigener Einlassung „seit rund zwei Wochen“. Ihm sei wichtig, dass Geschenke, die von der Stadt auch angenommen wurden, eine wertschätzende Behandlung erfahren. Es sei verständlich, dass mit Blick auf den Bürgeramt-Umbau eine neue Lösung für den „Schützenwald“ gefunden werden müsse, aber an einer Lösung müsse auch erkennbar gearbeitet werden. Für den „Schützenwald“ wünscht sich Ziege einen Standort, „den viele Schützen passieren“. Spontan falle ihm das Zeughaus ein. Zugleich begrüße er es, wenn Vorschläge gemacht würden: „Verwaltung, Fraktionen, Schützen, alle Neusser, aber auch der Stifter – alle haben doch sicherlich gute Ideen.“ Er werde dann eine Beratung und Entscheidung im Kulturausschuss zeitnah herbeiführen.