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Neuss: Ex-Ratsherr jettet für die Schönheit um die Welt

Neuss : Ex-Ratsherr jettet für die Schönheit um die Welt

Carsten Mohr saß früher für die SPD im Stadtrat. Heute wickelt er für Firmen weltweit Finanzgeschäfte ab – und organisiert Schönheitswettbewerbe.

Carsten Mohr saß früher für die SPD im Stadtrat. Heute wickelt er für Firmen weltweit Finanzgeschäfte ab — und organisiert Schönheitswettbewerbe.

Etwa alle acht Wochen ist Carsten Mohr noch in seiner Heimatstadt Neuss zu Besuch. Der Kommunalpolitiker und Banker und ist auch in Ländern Osteuropas als Manager "wahrhaftiger Schönheitswettbewerbe" unterwegs. Foto: woi (1)/Robert Kobylinski

Als Neusser kann man Carsten Mohr nicht mehr bezeichnen. Seit 1995 jettet der passionierte Politiker und Banker um die Welt, hat in vielen Metropolen gearbeitet und wohnt mittlerweile im mehr als 1100 Kilometer entfernten Danzig. "Alle acht Wochen besuche ich meine Mutter in Hoisten", erzählt der 49-Jährige. "Aber der Stadtpolitik habe ich 2004 endgültig den Rücken gekehrt". Er sei Politiker aus Leidenschaft und Berufung. "Diese Art der politischen Arbeit kann ich nur vor Ort richtig leisten."

Etwa alle acht Wochen ist Carsten Mohr noch in seiner Heimatstadt Neuss zu Besuch. Der Kommunalpolitiker und Banker und ist auch in Ländern Osteuropas als Manager "wahrhaftiger Schönheitswettbewerbe" unterwegs. Foto: woi (1)/Robert Kobylinski

Mit 17 Jahren trat Mohr in die FDP ein, wechselte 1983 zur SPD und engagierte sich bei den Neusser Jusos. "Reiner Breuer folgte mir im Juso-Vorsitz und im Stadtrat nach", verrät er. Neben dem Job bei der Commerzbank war der Diplom-Kaufmann Mitglied im Wirtschaftsausschuss der Stadt und in Weckhoven direkt gewählter Stadtverordneter. 1995 machte Mohr die ersten beruflichen Schritte in die weite Welt —seine Bank delegierte ihn zu einer Übernahme für drei Jahre nach Warschau und Danzig.

Wie so oft in seinem bisherigen Berufsleben waren die beiden polnischen Städte nur Stationen in Mohrs Vita. Die folgenden Jahre verbrachte er in Frankfurt als Leiter für Projektfinanzierung, hatte dort mit Mobilfunknetzen, Schiffen, Bürotürmen, Kraftwerksmodernisierungen und einem 2,5 Milliarden Dollar-Gazprom-Auftrag zu tun. 2006 überwachte Mohr die Auslandsaktivitäten der Bundesdruckerei in Berlin, lebte aber auf Mallorca. "Ich brauchte einen Ort, wo ich die Seele baumeln lassen konnte", erzählt er. Mittlerweile arbeitet Mohr als Interimsmanager mit eigener Firma. Damit ist er Geschäftsführer auf Zeit, der Unternehmen und Projekte auf den richtigen Weg bringt und sich dann verabschiedet. Er pendelt zwischen Berlin, Danzig und Metropolen auf der ganzen Welt hin und her — mit Zwischenstopps in Neuss.

In Mittelamerika begann Mohrs dritte "Karriere" nach Politik und Banking: 2008 brachte ihn die Suche nach veruntreutem Geld nach Panama. "Dort habe ich an einer Hotelbar die Initiatoren eines neuen Schönheitswettbewerbs kennengelernt", erzählt Mohr, den das Konzept überzeugte. "Der Wettbewerb sollte wahrhaftig sein und ohne Manipulation auskommen", sagt der geschäftige Ex-Kommunalpolitiker. Kurzerhand beriet er die Gründer von "Miss Supranational", mittlerweile die Nummer Drei nach Miss World und Miss Universe. Mittlerweile ist er Manager des Wettbewerbs, der heute in 80 Ländern stattfindet. Vor kurzem konnte Mohr Weißrussland als Austragungsort für 2013 gewinnen. "Wir beweisen, dass Schönheitswettbewerbe mit moderner Bühnenshow und Preisgeldern, die wirklich ausgezahlt werden, funktionieren", sagt er. Allgemein seien solche Fernsehproduktionen ein entspanntes Kontrastprogramm zu Reorganisationen in kriselnden Unternehmen, sagt Mohr. Für die Zukunft wünscht sich der Weltenbummler mehr Ruhe. "Ich könnte mir vorstellen, wieder fest im Management eines Unternehmens tätig zu sein — wenn mich der Berliner Flughafen nicht braucht", sagt er schmunzelnd.

(NGZ/rl)