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Evangelische Kirche in Neuss: Gnadenfrist für die Reformationskirche

Evangelische Kirche in Neuss : Gnadenfrist für die Reformationskirche

Nie war sie so wertvoll wie heute: Die Kirche am Berliner Platz bleibt entgegen aller Ankündigungen ein Predigtort, denn der Umbau der Versöhnungskirche stockt. Den Übergang soll Yuriy Babych als neuer Pfarrer mitgestalten.

Das Ende war schon terminiert: Zum 31. Dezember sollte die Reformationskirche am Berliner Platz als Raum für Gottesdienste aufgegeben werden. So hatte das Presbyterium es schon im September vergangenen Jahres verfügt. Doch jetzt hält die evangelische Gemeinde nicht nur weiter an der Kirche fest, sondern darf zum Januar 2022 mit Zustimmung des Kirchenkreises auch die zweite Pfarrstelle neu besetzen. Beides zusammen aus einem einzigen Grund: einen Übergang gestalten.

„Die Gemeinde muss einen Strukturprozess durchlaufen“, sagt Yuriy Babych. Der 44-jährige Pfarrer wurde gerade vom Presbyterium als neuer Pfarrer gewählt und wechselt aus Krefeld nach Neuss, wo er zunächst Seite an Seite mit Manfred Burdinski, Pfarrer im zweiten Pfarrbezirk der Gemeinde, zusammenarbeiten wird. Bis dieser in einigen Jahren in Rente geht. Danach, ist die Presbyteriums-Vorsitzende Angelika Tillert sicher, wird aus seiner vollen eine halbe Stelle gemacht. Begründung: Mit derzeit 5300 Gemeindemitgliedern ist die Reformationskirchengemeinde zu groß für zwei volle Stellen. Denn der Kirchenkreis Gladbach-Neuss entwickelt derzeit ein Pfarrstellenrahmenkonzept, das mit einem neuen Schlüssel hinterlegt wird. Kommen derzeit auf eine volle Pfarrstelle 2500 Seelen, sollen es – wegen des spürbarer werdenden Priestermangels – spätestens ab 2030 je Stelle 3500 Gemeindeglieder sein.

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Dieser Anpassungsprozess läuft bereits, aber noch nicht so lange wie die Diskussion über den Umgang mit den beiden Kirchen der Gemeinde. Darüber debattieren die Further nämlich schon seit 2011. Seit 2017 steht fest, dass die Versöhnungskirche an der Furtherhofstraße neues Zentrum wird, seit einem Jahr, dass an der Reformationskirche Schluss sein soll. Allerdings ist es der Gemeinde nicht gelungen, den Umbau des künftigen geistlichen Zentrums so weit voranzutreiben, dass an eine Aufgabe der zweiten Kirche schon gedacht werden könnte. Im Gegenteil. Während die Versöhnungskirche so hergerichtet wird, dass sie künftig alle Gemeindefunktionen ausfüllen kann, muss sogar insgesamt in die Reformationskirche ausgewichen werden.

Am Ergebnis ändert das freilich nichts. Auf Sicht bleibt es dabei, dass am Berliner Platz keine evangelischen Gottesdienste mehr gefeiert werden. Allerdings verschiebt sich der Zeitpunkt der Umwidmung nach Tillerts Angaben um gut eineinhalb Jahre. Die Kirche bekommt eine Gnadenfrist. Was danach aus ihr wird, sei offen, sagt Tillert. „Wir sind nicht aktiv auf Käufersuche“, sagt sie und betont noch einmal: Die Außenansicht der Kirche soll sich nicht verändern, die Jugendarbeit der Gemeinde wird dort fortgesetzt.

Das war für Yuriy Babych mit ein Grund, sich auf die Stelle in Neuss zu bewerben. Kinder- und Jugendarbeit sowie die Arbeit mit Senioren seien seine Stärken, sagt der Vater von drei kleinen Kindern, der seit 2020 einen erkrankten Kollegen in der evangelischen Gemeinde Alt-Krefeld vertritt. Dort hatte man ihm auch eine Perspektive aufgezeigt, doch er glaubt, dass die Stelle in Neuss besser zu ihm passt und seinen Kompetenzen mehr gerecht wird. In Krefeld hätte er City-Pastoral machen müssen, sagt Babych. Das heiße in erster Linien, Netzwerkarbeit zu betreiben, erklärt der Pfarrer. Er aber sei „vor allem Seelsorger“.

Neuss kennt Babych schon seit längerem, einarbeiten aber muss er sich natürlich trotzdem. Besonders wichtig dabei sei ihm, auch in Zusammenarbeit mit seinen Kollegen „ein Konzept zu entwickeln, das nach vorne trägt“. Dabei soll auch schon der Fall vorweg genommen werden, dass es auf der Furth nur noch eineinhalb Pfarrstellen gibt. Die Zusammenarbeit im Verband Evangelischer Gemeinden steht dann auch vor einer Neuordnung.