Neuss: Evangelische Kirche in Erfttal wird aufgegeben

Neuss : Evangelische Kirche in Erfttal wird aufgegeben

Die Gemeinde Neuss-Süd trennt sich von dem Paul-Schneider-Haus. Die Diakonie, der Hausbesitzer, hat keine Verwendung für die Räume.

Die evangelische Kirchengemeinde Neuss-Süd gibt das Paul-Schneider-Haus als Gemeindezentrum auf. Nachdem einem entsprechenden Beschluss des Presbyteriums der Superintendent und damit der Kirchenkreises Gladbach-Neuss schon zugestimmt hat, hat nun das Landeskirchenamt das letzte Wort.

Das bat gestern zum Ortstermin, an dem eine Handvoll Gemeindemitglieder um Helga Pollack allerdings nicht teilnehmen durfte. Pollack hat eine "Arbeitsgruppe für das Paul-Schneider-Haus" ins Leben gerufen, die nun mit einer Unterschriftenaktion für den Erhalt der Kirche und damit auch für den Erhalt der Kirchenfenster aus dem Atelier des Glaskünstlers Jakobus Klonk kämpft.

Die Vorbereitungen der Gemeinde zum Ausstieg sind schon recht weit gediehen. "Mein Bestreben ist, die Arbeit im Stadtteil fortzusetzen", betont Sebastian Appelfeller, seit zehn Monaten Pfarrer im Kirchenbezirk 2, zu dem noch Meertal und Gnadental gehören. Nur dass diese Arbeit kein Zentrum in Erfttal mehr haben wird. Das soll künftig allein die Kreuzkirche in Gnadental sein. Die sei ja nur 1,8 Kilometer entfernt.

Die Pfarr-Bücherei soll aus dem Paul-Schneider-Haus im Ortskern in einen Container auf dem Gelände des Gebrüder-Grimm-Grundschule umziehen, berichtet Gertrud Kühl, die Büchereileiterin. "Wenn wir vor die Frage gestellt werden: ,Alles oder nichts?´, dann macht das Sinn", sagt sie. Darüber ist aber mit der Stadt noch abschließend zu verhandeln.

Eine wichtige Größe in allen Plänen ist die katholische Cornelius-Gemeinde im Ort. Zu ihr sollen künftig die Spätaussiedler gehen, die sonst im Paul-Schneider-Haus unter anderem zur Bibelstunde kamen. Auch der Kreuzbund und andere Gruppen sollen dorthin wechseln, während das Kirchcafé zum Bürgerhaus des SKM verlegt wird.

Die Kirche im Paul-Scheider-Haus, wo generell nur noch einmal monatlich sonntags ein Gottesdienst abgehalten wird, möchte Pastor Appelfeller mit einer Feier am Palmsonntag schließen. Das Osterfest, für ihn das Symbol für einen Neuanfang schlechthin, soll auch in Erfttal eine Zäsur, ein Neuanfang sein — es soll in der Kreuzkirche in Gnadental gefeiert werden. Der Neuanfang soll auch ökumenische Züge tragen. "Wir hatten den ersten ökumenischen Weihnachtsgottesdienst", erinnert Appelfeller, demnächst werde man erstmals ökumenische Passionsandachten haben. Auch die Schulgottesdienste sollen von beiden Konfessionen gemeinsam gestaltet werden. In Erfttal wird die evangelische Kirche in Zukunft besonders über ihr Diakonisches Werk Neuss-Süd (DW) erkennbar bleiben. Das ist Träger des Kindergartens und bietet etwa im Hochhaus Seniorenwohnungen an. Der Gesamtkomplex des Paul-Schneider-Hauses ist eine Liegenschaft dieses DW. Wenn die Gemeinde ihre Räume abgibt, verfügt die Diakonie über Räume, für die sie keine Verwendung hat. "Es gibt konzeptionell nichts, was wir da anbieten könnten", sagt Diakonie-Sprecher Rainer Küpper. Ein Mietinteressent sei abgesprungen, ein neuer nicht in Sicht. "Offiziell haben wir von der Gemeinde noch nichts bekommen", sagt er. Gekündigt wurde noch nicht. Helga Pollack und ihre Mitstreiter aber fühlen sich vor vollendete Tatsachen gestellt. "Neuss-Süd ist bekannt für seinen Bezirksegoismus", schrieb Pollack an Nikolaus Schneider, Präses der evangelischen Landeskirche. Das schwächste Glied — Erfttal— werde eliminiert.

(NGZ/rl)
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