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Neuss: Etta Scollos Tagebuch der Liebe

Neuss : Etta Scollos Tagebuch der Liebe

"Cuoresenza" heißt das neue Programm, mit dem Etta Scollo jetzt beim "Festival der Sterne" im Rheinischen Landestheater gastierte. "Cuoresenza" – das übersetzt die aus Sizilien stammende Sängerin mit "Herz ohne", was nicht etwa "ohne Herz" bedeutet. Nein, sie will mit diesem Titel sagen, dass dem Herzen etwas fehlt. Und natürlich geht es um die Liebe.

"Die Liebe lebt weiter, wenn sie nicht mehr da ist", sagt Scollo, "in merkwürdigen Requisiten, leeren Hotelzimmern, zerrissenen Fotos, zerknitterten Briefen." Solche Erinnerungsstücke führen das um die Liebe trauernde Herz zurück in die Vergangenheit. Für das Publikum öffnet Etta Scollo ein imaginäres Tagebuch, und beim Aufblättern fallen Lieder heraus.

Vertonte Gedichte

Da ist das Liebeslied, das ihr Vater jeden Morgen beim Rasieren sang, oder "Se Telefonando" von Ennio Morrricone, mit dem die Sängerin Mina einen großen Hit landete, 1966, als Etta Scollo ein kleines Mädchen war. "Lo Scapolo", ein Chanson von Paolo Conte aus den frühen 1970er Jahren oder "Der Novak", ein Lied von Hugo Wiener, das die Sängerin während ihrer Zeit in Wien kennenlernte.

Auch Gedichte können Momentaufnahmen aus einem Erinnerungsalbum sein. Von Scollo vertont und für ihr Trio aus Multi-Instrumentalisten liebevoll arrangiert für Klavier, Akkordeon, Mundharmonika, Cello, Gitarre, Mandoline, Cajon und diverse Trommeln, werden sie zu klangfarbenreichen Bildern. Sie illustrieren eine Geschichte, die eine sehr persönliche ist, aber zugleich von allen verstanden wird, weil ihr Thema eines ist, das jeden Einzelnen betrifft: die Liebe.

Damit alle Zuhörer den poetischen, hoffnungsvollen, sehnsüchtigen, verzweifelten oder auch skurrilen Songtexten folgen können, rezitiert Scollo die deutschen Übersetzungen. Als sie mit sicher aufsteigender Stimme zu "La Cura" anhebt, einer Hymne auf das Für-jemanden-da-Sein, ist man zuversichtlich, dass das Herz, das sich auf die Reise in seine Vergangenheit gemacht hat, am Ende das finden wird, was ihm fehlt.

Aufforderung zum Tanz

Und man versteht, weshalb Etta Scollo jedes einzelne Wort ihrer Tagebuchlieder liebt: "Ti proteggerò – ich werde dich vor deinen eigenen Manien und Ängsten beschützen, vor den Beunruhigungen, denen du auf deinem Weg begegnen wirst, weil du ein besonderer Mensch bist. Ja ich werde mich um dich kümmern."

Mit der Zugabe "Abballati", einer Aufforderung zum Tanz, gibt Scollo dem Publikum noch einen Tipp mit auf den Weg: "Beim Tanzen darf man sich etwas wünschen. Ihr könnt auch in Gedanken tanzen. Das ist der Schlüssel zum Glück."

(NGZ)