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Neuss: Erste Lesung im Hitch mit einem Krimi

Neuss : Erste Lesung im Hitch mit einem Krimi

Die Lesung von Christiane Wünsche am Sonntag könnte zum Start für eine neue Lesungsreihe im Kino Hitch werden.

In Kaarst kennt man Christiane Wünsche seit vielen Jahren als Mitarbeiterin im Jugendcentrum Holzbüttgen, seit einem Jahr leitet sie das Haus auch. Aber dass sie nebenbei auch eine Autorin ist, dürfte weniger bekannt sein. Dabei ist der Roman "Bleischwer" schon ihre zweite Arbeit, aber eben ihre erste Veröffentlichung (Gmeiner-Verlag, 9,99 Euro). Bislang hat die 46-Jährige ihre Werke vor allem im Freundeskreis präsentiert, und weil sich dieser auch mit dem von Detlef Ritz, dem Chef des Kino Hitch, überschneidet, drang die Kunde von Wünsches Geschichten auch an dessen Ohr. Nun hat Ritz Christiane Wünsche zu einer Lesung in sein Kino eingeladen und begeht damit zugleich Neuland.

"Ich kann mich nicht erinnern", sagt er, der viele Jahre Mitarbeiter des verstorbenen Hitch-Chefs Helmut Kettler war, "dass bei uns mal eine Lesung stattgefunden hat." Für ihn passt eine Buch-Vorstellung indes auch in das Konzept, das Kino stärker mit Sonderveranstaltungen zu etablieren. Erste Erfolge hat Ritz bereits mit dem kulinarischen Kino-Abend in Zusammenarbeit mit "Anker"-Besitzer und Koch Michael Freynik und mit der Musikreihe "Round about Midnight".

Bislang so gibt er zu, kämen solche Veranstaltungen vor allem über ein gutes persönlichen Netz unter Künstlern zustande — Ritz selbst ist auch bildender Künstler. Gleichwohl hatte er auch schon die ersten Anfragen von Musikbands vorliegen. Kriterium für die Auswahl ist für ihn: "Die Musik muss zum Hitch passen." Das gilt indes auch für zukünftige Lesungen — wobei er sich da auch den Rat von Fachleuten holt. So ist er glücklich, dass die Buchhändlerin Dorothea Gravemann vom Bücherhaus am Münster die Lesung von Christiane Wünsche moderieren wird.

Ihr Roman spielt in Kaarst, Neuss und in der Eifel. Die Protagonistin Jule Maiwald —wohnhaft in Büttgen — durchlebt eine Ehekrise und zieht sich deshalb auf einen Campingplatz in der winterlichen Eifel zurück. Dort hört sie vom Ausbruch eines Gewaltverbrechers, dessen Spur in ihre Nähe führt. Derweil beginnt sie eine Affäre mit einem Hilfsarbeiter, der sich als alter Komplize des Flüchtigen entpuppt. Dann geschieht ein Mord im Nachbardorf, ein zweiter auf dem Campingplatz. Jule Maiwald wird zur Ermittlerin wider Willen.

Die Geschichte spielt sich nicht zufällig auf einem Campingplatz ab. Christiane Wünsche ist selbst eine leidenschaftliche Camperin und hat mit ihrem roten Oldtimer-Wohnwagen (Baujahr 1966) schon einige Ecken Europas bereits. Ein Teil des Buchs entstand während ihres Urlaubs in der Bretagne. "Ich schreibe lieber über Dinge, die ich ansatzweise selbst kenne, damit es authentisch wirkt", sagt sie. Deshalb lege sie als Autorin wie in ihrem Hauptberuf als Sozialarbeiterin auch besonderen Wert auf die Biographie der Menschen.

Neben der Prosa verfasst Christiane Wünsche auch Gedichte, zwei von ihnen bilden Einleitung und Abschluss von "Bleischwer". Ihre Arbeitsweise ist dabei sehr stringent und diszipliniert. "Sobald meine Tochter morgens aus dem Haus zur Schule ist, schreibe ich zwei Stunden an meinem Buch ehe ich zur Arbeit gehe", sagt die 46-Jährige.

Schriftstellerin war schon ihr Kindheitswunsch. "Meinen Geschwistern musste ich abends im Bett immer eine Geschichte erzählen", erzählt sie. Weil ihr bei einem Kinderbuch das Ende zu traurig war, schrieb sie einfach ein glücklicheres und klebte den Zettel auf die letzte Seite. Zurzeit schreibt Christiane Wünsche an ihrem dritten Buch. Für ihr Erstlingswerk "Der Zaungast" konnte sie bisher keinen Verlag finden, dafür soll die noch titellose Nummer drei im Herbst erscheinen. Dieser Krimi spielt sich rund um die Brauns-Mühle ab.

Info Oberstraße 95, Sonntag, 17. Februar, 14 Uhr, Eintritt frei, 02131 940002

(NGZ/ac)