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Neuss: Erste Ausstellung für Maler mit Handicap

Neuss : Erste Ausstellung für Maler mit Handicap

Die Initiative "Gemeinsam Leben und Lernen" (IGGL) ermöglicht Neusser Jugendlichen einen integrativen Malkursus.

Mara taucht den Pinsel in die rote Farbe und setzt sorgfältig kleine Tupfen auf einen Terrakottatopf. Rottöne sind eindeutig die Favoriten der jungen Frau, was man an den vielen Farbspritzern auf ihrem Malkittel erkennt.

Die fröhliche 17-Jährige ist eine außergewöhnliche Malerin: Sie hat das Down-Syndrom. Doch das spielt hier keine Rolle, schwungvoll führt sie den Pinsel ebenso wie die anderen Teilnehmer dieses integrativen Malkurses, den die Initiative "Gemeinsam Leben und Lernen" (IGLL) jeden Samstag anbietet. Was Mara und die weiteren Teilnehmer in ihrem "Atelier" in der IGGL-Geschäftsstelle erarbeitet haben, soll bald einem größeren Publikum gezeigt werden: Am kommenden Samstag werden die Jugendlichen ihre erste eigene Ausstellung im Romaneum eröffnen.

Geleitet wird der inklusive Malkursus für Kinder und Jugendliche mit geistigen oder körperlichen Handicaps von Ulla Spix. Bereits seit fünf Jahren engagiert sich die Künstlerin für das Projekt. "In einem Urlaub habe ich einen Jungen mit Down-Syndrom kennengelernt und wir haben viel gemeinsam gemalt. Diese Freude, die wir zusammen hatten, wollte ich mit nach Hause nehmen und bin an IGLL herangetreten", erzählt Spix. Sehr geduldig erklärt sie allen Kindern das Projekt der Woche und lässt sie ohne Vorgaben frei malen. Der 19-jährige Jonas, der an einer Lernschwäche leidet, freut sich schon auf wärmere Tage, an denen er mit "seinem" Malkursus wieder Ausflüge zur Museumsinsel Hombroich machen kann. "Wir sind alle zusammen mit dem Fahrrad hingefahren und haben am See die Spiegelungen im Wasser gemalt", erzählt er von dem letzten Ausflug der Gruppe.

"Zugegebenermaßen waren wir Eltern zunächst skeptisch", sagt Monika Schmitt, stellvertretende Vorsitzende der IGLL. "Aber wir sind eines Besseren belehrt worden." Die Kinder seien durch die Angebote des Kursus selbstständiger geworden. Zudem sei es eine Freude zu sehen, wie die Jugendlichen lernen, geschickt mit Pinsel und Farbe umzugehen.

Wie vielseitig der Kursus ist und wie kreativ die jungen Maler sind, sehen Besucher an den Kunstwerken, die überall in den Räumen der IGGL an der Sternstraße verteilt sind. An den Wänden hängen große bunte Aquarelle, Acrylbilder und bemalte Holzlatten. Auf dem Boden stehen Tierfiguren aus Gips.

Damit die Kunstwerke allen Interessierten zugänglich gemacht werden können, nutzt der Verein die Chance, im Romaneum auszustellen. "In der Ausstellung sehen wir auch einen weiteren Kontaktpunkt für Integration, damit Begegnungen gesunder und behinderter Menschen selbstverständlicher werden", sagt Schmitt. Das ist bereits vor Beginn der Ausstellung gelungen: Die Musikschule hat die Jugendlichen engagiert, das Bühnenbild für ein Musical zu gestalten.

(NGZ)