Neuss: Erlkönigs Verwandlung mit begnadetem Horwitz

Neuss : Erlkönigs Verwandlung mit begnadetem Horwitz

Das Konzert im Zeughaus im Rahmen des Niederrhein-Musikfestivals bot den Besuchern viele gelungene Überraschungen.

Der Rhein-Kreis Neuss unterstützt das Niederrhein-Musikfestival seit seiner Gründung vor gut zehn Jahren. Da bot es sich jetzt geradezu an, eine der diesjährigen Veranstaltungen zum 40-jährigen Kreisjubiläum als Festkonzert im Zeughaus zu präsentieren. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, zugleich Schirmherr des Festivals, konnte eine hochkarätige Gästeschar aus Politik und Gesellschaft begrüßen. Aber auch das "gemeine" Publikum hatte Zutritt zum Konzert, bevölkerte komplett den Balkon der guten Stube der Stadt und war zu dem Empfang vor und nach dem Konzert sowie zur Pause eingeladen. Sehr raffinierte Imbisskreationen spiegelten dabei die Idee des Festivals wider.

Dieses hat auch in seiner elften Auflage unter der künstlerischen Leitung von Anette Maiburg und Susanne Geer (Organisation) mit innovativen und genreübergreifenden Formaten überrascht. Gerade das Jubiläumskonzert hatte unter dem zunächst nicht begreifbaren Motto "Erlkönigs Verwandlung" ein alle Hörgewohnheiten sprengendes Konzept. Maiburg hatte zusammen mit dem Schauspieler Dominique Horwitz und dem Pianisten und Komponisten Stefan Malzew ein Programm eigens für Neuss erarbeitet, das hier seine Premiere erlebte. Ein recht konventioneller Auftakt mit dem Variationssatz aus dem "Forellenquintett" für Klavier, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass von Franz Schubert war zur Einstimmung gedacht.

Dann aber wurden Lieder von Schubert, Robert Schumann und Johannes Brahms von Stefan Malzew, der auch Chefdirigent der Neubrandenburger Philharmonie ist, völlig neu für Stimme, Flöte, Streichquartett, Kontrabass und Klavier arrangiert. In seine Arrangements fügte er zum Teil mit einem guten Schuss Ironie Zitate von Bartók, Strawinsky und Gustav Mahler ein.

Der Text zu Schuberts Ballade "Der Erlkönig" wurde vom Schauspieler Dominique Horwitz in außerordentlich den Ton treffendem Sprechgesang rezitiert. Seine Begegnung mit dem klassischen Lied war in hohem Maße spannend. Bei Schuberts "Der Lindenbaum" wurde er zum begnadeten Chansonnier mit fundamentaler Tiefe.

Das Hamburger Amaryllis-Streichquartett war kongenialer Partner, da Gustav Frielinghaus (Violine), Lena Sandoz (Violine), Lena Eckels (Viola) und Yves Sandoz (Violoncello) auch in ihren eigenen Konzerten auf ungewöhnliche Weise Klassisches mit Neuem verbanden. Mit dem langsamen Variationensatz aus Schuberts Streichquartett d-Moll "Der Tod und das Mädchen" leiteten sie wiederum eine Malzew-Bearbeitung des Liedes ein. Köstlich eine hinzugefügte Blues-Variation. Anette Maiburg spielte hier die besonders warme Altquerflöte.

Ihre virtuose Souveränität begeisterte einmal mehr bei Introduktion und Variation über ein Thema aus Schuberts "Müller-Liedern". Selten hat ein Kontrabass eine derart umfang- wie abwechslungsreiche Partie. Wlodzimierz Gula von den Düsseldorfer Symphonikern nutzte die Chancen perfekt und pflegte bei jazzigen Einschüben ein starkes Pizzicato.

Den Abend voller bestens gelungener musikalischer Überraschungen belohnte das Publikum mit teils enthusiastischem Applaus, der Dominique Horwitz besonders würdigte.

(hgma)
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