1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Erinnerung an Polizistenmord

Neuss : Erinnerung an Polizistenmord

Vor 50 Jahren wurde ein 26-jähriger Polizist von einem Gewaltverbrecher auf der Flucht erschossen. Rolf Neukirchen hatte damals als junger Beamter mit dem Fall zu tun, der Gegenstand für einen Schulungsfilm der Polizei wurde.

Manchmal, wenn er mit dem Rad unterwegs ist, besucht Rolf Neukirchen noch den Gedenkstein am Himmelsberg. Der markiert die Stelle, an der heute vor 50 Jahren der damals 26-jährige Polizeibeamte Hans Noeldechen von einem Gewaltverbrecher erschossen wurde. Ein bis heute im Rhein-Kreis einmaliger Fall, wie Polizeisprecher Hans-Willi Arnold betont. Und ein Fall, der ein Jahr später Gegenstand eines Schulungsfilms der Polizei zum Thema Selbstsicherung bei Kontrollen wurde. Mit dem ist Neukirchen bis heute nicht einverstanden.

Neukirchen selbst war zum ersten Mal drei Tage nach dem Mord am Tatort. Als einer der jüngsten Polizeibeamten der Wache Neuss sicherte er damals den Lokaltermin mit dem gefassten Mörder ab, der vor Ort vernommen wurde. Und er gehörte zu den Beamten, die damals den Gedenkstein für den getöteten Kollegen initiierten. Ein Findling, in einer Kiesgrube besorgt.

Der Mord an Polizeihauptwachtmeister Noeldechen löste kontroverse Diskussionen aus. Für eine sorgte die schon am Tag nach der Tat vom damaligen Landesinnenminister Dufhus erhobene Forderung nach Wiedereinführung der Todesstrafe. Eine andere, länger andauernde, entzündete sich an der Frage, ob der Mord nicht zu verhindern gewesen wäre. Denn erste Versionen zum Tathergang hatten den Eindruck erweckt, als hätten die beiden Streifenbeamten nicht gut zusammengearbeitet. Der 1962 gedrehte Schulungsfilm ist vor diesem Hintergrund zu sehen.

Am 5. August, einem Samstag, kontrollierte Noeldechen die Wege am Himmelsberg. Einem Wäldchen, so hielt die NGZ in ihrem Bericht über die Tat fest, "das der Polizei als Schlupfwinkel lichtscheuen Gesindels bekannt ist." Dort fiel beiden ein parkender Wagen auf. Noeldechen und sein Kollege glaubten, es mit einem Liebespärchen zu tun zu haben, das sie nach kurzer Kontrolle aus dem Landschaftsschutzgebiet hinauskomplimentieren wollten. Doch der Täter, so brachte er beim Lokaltermin selbst Licht ins Dunkel, überrumpelte die Beamten. Als sein Ausweis kontrolliert wurde, zog er aus der Tasche an der Fahrertür eine Pistole und schoss sofort. Noeldechens Kollege wurde verfehlt, der 26-jährige selbst von zwei Kugeln tödlich getroffen. Der 31-jährige Täter und seine Komplizin flohen, wurden aber schnell gefasst — sie noch am Tatag in Koblenz, er in tags drauf in einem Steinbruch bei Kaiserslautern. Der Polizistenmörder, der schon Jahre im Zuchthaus verbracht hatte und wegen einem Mord in Gießen zur Fahndung ausgeschrieben war, büßte die Bluttat in Neuss mit 26 Jahren Gefängnis.

Der Schulungsfilm erbost Neukirchen noch heute. "Er lief darauf hinaus, als seien die Beamten nicht ganz unschuldig an der Sache." Dabei waren sie ohne echte Chance, heute vor 50 Jahren.

(NGZ)