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Erinnerung an das Schwann-Gymnasium in Neuss

Das untergegangene Gymnasium : Nicht nur bei Whatsapp - Schwann lebt

Heute feiert die Janusz-Korczak-Gesamtschule das 30-jährige Bestehen. Für sie musste 1992 das erst 36 Jahre alte Theodor-Schwann-Gymnasium Platz machen. Viele Ehemalige dieser unangepassten Schule halten bis heute Kontakt.

Manche Schülersprüche scheinen kein Verfallsdatum zu haben. „Jeder Dummbold geht aufs Humboldt“, „Mit Vier minus aufs Quirinus“ oder „Wer nix kann, is’ auf´m Schwann“ halten sich seit Jahrzehnten in Neuss. Beim Theodor-Schwann-Gymnasium ist das umso erstaunlicher, als die Schule längst nicht mehr existiert. An ihrer Stelle befindet sich die Janusz-Korczak-Gesamtschule, das mit einem Festakt ihr 30-jähriges Bestehen feiert. Damals entschied die Neusser Politik, dass das verhältnismäßig junge Gymnasium — der Unterricht am Niedertor war 1956 aufgenommen worden — der Gesamtschule weichen soll. 1992 verließ der letzte Abitur-Jahrgang das Gymnasium, das im selben Jahr mit dem Marie-Curie-Gymnasium auf der Furth vereinigt wurde. Doch das „Schwann lebt“ in Netzwerken fort – und nicht zuletzt in einer gleichnamigen Whattsapp-Gruppe, über die Ehemalige Kontakt halten.

Norbert Jurczyk hat das Aus nicht mehr selbst miterleben müssen. Er machte kurz vorher, 1988, sein Abi. Doch er erinnert sich an die Aktionen unter dem Motto „Rettet das Schwann“, an denen sich auch Ehemalige beteiligten. Unterschriften wurden gesammelt. Der „Schulkampf“ hat sich ins Gedächtnis vieler Neusser gebrannt.

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Jurczyk, stellvertretender Leiter des städtischen Amtes für Verkehrsangelegenheiten, hat eine sehr besondere Beziehung zum Schulstandort. Seine Tochter besuchte bis vor kurzem die Janusz-Korczak-Gesamtschule. So kam der Vater immer mal wieder in die Räume seiner eigenen Schulzeit. „Das war wie eine Reise in die Vergangenheit“, sagt er.

Wenn er ans Schwann denkt, fällt dem 49-Jährigen sofort die „FSG Theo“ ein. Denn die Fußball-Mannschaft der Schule, Keimzelle der „Fördersportgemeinschaft“, erreichte unter seiner Beteiligung immerhin den zweiten Platz bei den Landesmeisterschaften. Im vergangenen April fand ein Abi-Treffen nach 30 Jahren statt. Etwa 60 von rund 100 Ehemaligen nahmen teil. „Zwei Leute kamen sogar extra aus Neuseeland und den USA“, zeigt sich Jurczyk noch immer beeindruckt vom Zusammengehörigkeitsgefühl der „Schwannianier“, wie er sie nennt. „Wir waren das kleine, freche Gymnasium“, fasst es Jurczyk die Haltung der Ehemaligen zusammen. Über die sozialen Medien bleibt man über die Kontinente hinweg in Kontakt.

 Ein Ehemaliger ist auch Dieter Steins, der 1962 Abitur machte und damit der zweiten „Schwann-Abiturientia“ angehört. Bis zur Quarta hatte er noch das „Quirinus“ besucht. Dann kam der Wechsel für ihn und einige Schulkameraden. Die Begründung: „Unsere Väter waren alle Oberrealschüler gewesen“. Und das Schwann galt als Nachfolgeschule. Den Umzug vom historischen Quirinus-Schulbau, dem heutigen Amtsgericht, in den Schwann-Neubau hat er in bester Erinnerung: „Da wehte ein frischer Wind“, so der 76-Jährige.

Und wie es sich für Teenager gehört, nahmen der junge Steins und seine Mitschüler immer wieder die Lehrer aufs Korn. Der Inhalt einer von ihnen herausgegebenen „Bier-Zeitung“ zum „Einjährigen“ sorgte dermaßen für Empörung im Kollegium, dass bis auf den Klassenlehrer kein anderer Vertreter des Lehrkörpers zur Feier erschien. Die Schließung seiner alten Schule hat Steins „als Schlag“ empfunden. Er hätte sich gewünscht, dass seine Kinder die Schwann-Tradition fortführen. Doch daraus wurde nichts.