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Neuss: Erinnerte Szenen vom Schützenfest

Neuss : Erinnerte Szenen vom Schützenfest

Der Neusser Künstler Heribert Münch hat den Entwurf für das Schützenfenster gemacht, das am kommenden Samstag offiziell als Geschenk der Mediengruppe RP übergeben wird. Dabei greift Münch wieder auf seine Anfänge als figurativer Maler zurück.

Die Eingangstür zum Schützenmuseum im Haus Rottels bekommt ein neues Oberlicht. Die Mediengruppe der RP stiftet ein Glasfenster mit Schützenfest-Motiv. Anlass dafür ist die Einladung des Bürger-Schützen-Vereins an Karl Hans Arnold, Vorsitzender der Geschäftsführung der Mediengruppe RP, als Ehrengast am Schützenfest teilzunehmen. Der Entwurf für das Schützenfenster stammt von Heribert Münch. Der eher abstrakt malende Künstler ist damit einen ungewohnten Weg gegangen. Ein Gespräch über die Kunst im Einzelnen und das Schützenfest im Besonderen.

Herr Münch, hat sich mit der Arbeit am Schützenfenster etwas in Ihrer Haltung zum Schützenfest verändert?

Heribert Münch Ja und nein, Grundsätzliches aber nicht. Ich habe es schon immer als Familien- und Volksfest für die Stadt Neuss betrachtet. Als Nicht-Schütze habe ich das Fest gerne genutzt, um Freunde, Familie und Bekannte zu treffen, hatte dadurch immer Anteil genommen. Aber jetzt habe mich natürlich viel intensiver und auch ganz anders damit befasst, so dass es mir auf eine andere Weise näher gekommen ist.

Schauen Sie sich die Parade an?

Münch Neben der Parade gibt es ja auch noch andere schöne Umzüge, den Fackelzug zum Beispiel und vor allem den Wackelzug. Bei diesem ist es einfach schön zu sehen, wie die Schützen nach den bestandenen Tagen etwas gelassener und lockerer durch die Straßen laufen. Dabei kann man außerdem so viele Bekannte treffen.

Das Schützenfest hat für Sie also vor allem eine kommunikative Funktion?

Münch Die ist zumindest sehr wichtig. Denn beim Schützenfest trifft man Leute, die man manchmal das ganze Jahr nicht sieht. Nicht mal verabredet, sondern oft ganz zufällig. Zumal da viele Neusser, die heute woanders leben, extra anreisen. Das finde ich gerade das Spannende und Schöne daran.

Also war im Grunde bei Ihnen schon alles angelegt, als Sie das Motiv für das Schützenfenster unter dem Aspekt des Volksfestes entwarfen?

Münch Natürlich habe ich einen kurzen Moment überlegt, ob ich das Fenster gestalten kann. Aber es hatte gleich einen großen Reiz für mich, meine Fähigkeiten einzubringen. Dann habe ich mich intensiv informiert, und es hat mir sehr geholfen, mit aktiven Schützen wie dem NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten über das Fest und seine Hintergründe zu reden. Das alles hat mir dann auch die Bestätigung geliefert, dass die Schützen das Fest nicht nur als eines für sich, sondern als eines für alle Bürger betrachten.

Wie sind an das Motiv herangegangen?

Münch Es gibt ja schon Fenster, die das Schützenfest thematisieren. Aber der Tenor liegt dabei auf der Parade oder der Darstellung eines Schützenzuges. Ich wollte das weiter fassen und habe deswegen den Volksfestcharakter in den Fokus gerückt. In Form einer Bildercollage, die viele kleine verschiedene Szenen zeigt, die jeder so oder so ähnlich vom Schützenfest kennt. Er kann sich erinnert fühlen, ohne dass das Bild bestimmte Plätze definiert.

"Erinnerte Bilder" ist ja ohnehin ein Stichwort für Ihre Malerei. Nur dass es sich meistens eher um Landschaften handelt, die Sie zudem sehr abstrahiert auf die Leinwand bringen. Der Schützenfenster-Entwurf ist sehr figurativ. War das eine besondere Herausforderung?

Münch Die Figuration war in diesem Fall natürlich gewünscht und bot sich auch an. Aber in der Herangehensweise hat sich gegenüber meinen abstrahierten Wolkenformationen oder Landschaften nicht viel geändert. So oder so sind es erinnerte Bilder. Auch für das Schützenfenster habe ich keine Vorlagen benutzt, sondern Szenen geschaffen, wie ich sie im Kopf und im Sinn habe. Die figurative Umsetzung war aber schon eine besondere Herausforderung, da ich den vergangenen Jahren kaum noch so gemalt habe. Gleichwohl habe ich viele Jahre figurativ gearbeitet, und Figuration war in meiner Ausbildung ein ganz großes Thema. Über viele Zeichnungen habe ich das dann wieder aktiviert. Daraus ist dann der Entwurf für das Schützenfenster entstanden.

Ihr Bild ist ja nicht das Endprodukt, sondern wird zu einem Fenster in Bleiverglasung gearbeitet. Wie hat Sie das gedanklich im Malprozess beeinflusst?

Münch Das war für mich tatsächlich etwas ganz Neues. Damit das Ergebnis recht nah an dem Entwurf ist, musste ich berücksichtigen, dass meine Arbeit und das Fenster zwei völlig verschiedene Medien sind. Mein Entwurf ist eine aquarellierte Zeichnung im Originalformat, aber wirkt ganz anders als die Glasarbeit. Da ist die Kooperation mit der Fachwerkstatt sehr wichtig.

Und die hat geklappt?

Münch Ja, sehr gut. Ich habe sehr eng mit Rudolf Pongs, dem Inhaber der Glaswerkstatt in Mönchengladbach, die das Fenster in Bleiverglasung künstlerisch umgesetzt hat, zusammengearbeitet. Er hat mir viele gute Tipps gegeben, und wir waren ständig in Kontakt. Und ich habe ich sehr viel über die Glasfensterherstellung gelesen.

Nun ist ab kommenden Samstag nach der offiziellen Übergabe des Fensters durch Karl Hans Arnold ein Kunstwerk von Ihnen ständig im Straßenbild zu sehen. Was ist das für ein Gefühl?

Münch (lacht) Ich werde schon jetzt häufiger auf das Werk angesprochen, und viele sind gespannt, wie es aussieht und wirkt, wenn es über der Tür eingebaut ist. Ich selbst ja auch, denn bis jetzt habe ich das Fenster nur auf dem Leuchttisch bei Rudolf Pongs gesehen. Aber ich finde es natürlich sehr schön, dass es so viel Resonanz gibt.

Helga Bittner führte das Gespräch.

(NGZ)