1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Erfttaler Sportplatz-Konzept als Vorbild

Neuss : Erfttaler Sportplatz-Konzept als Vorbild

Die Bezirkssportanlage Erfttal liegt seit zwei Monaten in Vereinshänden. Die SG Erfttal zieht eine positive Bilanz der Übernahme, ihr Vorsitzender Heinz Sahnen schaut nach vorn: Das Erfttaler Modell könne Vorbild sein, meint er.

Einen Zaun hat die Stadt vor kurzem noch geflickt, aber das war nur eine letzte Maßnahme, um eine ordentliche Übergabe zu garantieren. Denn seit zwei Monaten ist die Sportgemeinschaft Erfttal (SG) für die Bezirkssportanlage zuständig. "Und so ist es nun auch an uns, das Gelände in Schuss zu halten", sagt ihr Vorsitzender Heinz Sahnen. Der Erfttaler hat darüber hinaus ein ehrgeiziges Ziel ausgegeben: Die Selbstverwaltung soll anderen Vereinen ein Vorbild sein. "Ich kann mir gut vorstellen, dass andere uns nachfolgen", sagt der Vereinsvorsitzende, der dieses Ziel auch in seiner Funktion als CDU-Ratsherr vorantreiben will.

Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Die Bezirkssportanlage Erfttal war zum 1. Juli dieses Jahres aus der städtischen Verantwortung entlassen worden. Neuer Betreiber ist die SG Erfttal, die sie unter dem Namen "Sportanlage Erfttal" weiterführt. Grund für die Übernahme sind die Sparvorgaben des Haushaltskonsolidierungskonzeptes. Knapp 100 000 Euro hatte die Stadt jedes Jahr für den Sportbetrieb in Erfttal ausgegeben — zu viel, befanden die Finanzpolitiker. Nun muss sich die SG mit Zuschüssen in Höhe von 32 000 Euro jährlich aus der Stadtkasse begnügen — "damit kommen wir aus", sagt Sahnen zuversichtlich. Der Verein sei sportlich gut aufgestellt, neun Jugend- und zwei Seniorenmannschaften trainieren dort, letztere schafften es bis zur Pokalrunde. "Was nun hinzukommt, sind organisatorische Aufgaben", sagt Sahnen, der schon erste Freiwillige fürs Rasenmähen und Sträucher schneiden abgestellt hat. Zudem sollen Minijobs geschaffen werden.

Darüber hinaus will der Verein verstärkt die Kostenfrage in den Blick nehmen, unter anderem etwa den Energieverbrauch reduzieren. "Derzeit sind wir dabei, uns über die Zahlen einen Überblick zu verschaffen", sagt Sahnen, der Einsparpotenzial sieht. "Schon auf den ersten Blick ist erkennbar, dass die Energiekosten sehr hoch sind", meint der Vorsitzende, der zwar gesteht, sich in die Selbstverantwortung erst einmal "reinfuchsen" zu müssen, gleichzeitig aber optimistisch ist, dass die SG Erfttal Modellprojekt sein kann. "Anfragen gab es schon", sagt Sahnen, der als Sportpolitiker eine stärkere Eigenverantwortung der Vereine fordert. Zwar sei einerseits klar, dass nicht alles ehrenamtlich gestemmt werden kann, "aber jeder muss mitarbeiten, wenn er seinen Verein in Zukunft erhalten möchte", meint Sahnen — und steht damit nicht allein: "Ohne das Ehrenamt läuft gar nichts mehr", sagt SPD-Politiker Heinz London. Zudem sei die Ausgliederung von Sportanlagen besser als eine Privatisierung. "Das gibt den Vereinen mehr Gestaltungsspielraum", meint London, der sich mit Sahnen einig ist, das Thema weiter im Sportausschuss auf der Agenda zu halten. Dort will die SG Erfttal von ihrer Arbeit berichten, dort soll dann auch überlegt werden, ob sich das Modell auf weitere Vereine übertragen lässt.

"Erfttal ist eine kleine Anlage", gibt London zu bedenken. Zudem sei zu beobachten, ob sich die anfängliche Dynamik nach der Übernahme auch langfristig halte — "schließlich ist der Verein nun auf sich gestellt", sagt London.

(NGZ)