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Neuss: Er saniert das Schwatte Päd

Neuss : Er saniert das Schwatte Päd

Nach nur sechs Monaten haben die jüngsten Pächter des Traditionslokals am Büchel schon wieder die Segel gestrichen. Steffen-Jörg Oehme hält im Auftrag der Brauerei den Betrieb aufrecht. Das war früher anders.

Seine Vollmachten sind umfassend, sein Auftrag eindeutig, sein Einsatz definiert: Retten, was zu retten ist. Steffen-Jörg Oehme (47) soll als Sanierer das "Schwatte Päd" offen halten. Ein "Feuerwehreinsatz", der durch die Insolvenz des letzten Pächters ausgelöst wurde und erst beendet sein wird, wenn ein neuer Betreiber gefunden ist.

Mit dem Sanierer Oehme – Gastwirt von der Pieke auf, dazu Hotelbetriebswirt und seit über 30 Jahren im Job – geht die Issumer Diebels-Brauerei neue Wege. Konnte früher, wie zuletzt 2009 geschehen, ein Pächter das Traditionslokal nicht weiterführen, war mit der wirtschaftlichen Aufgabe des Betreibers die Schließung des Hauses verbunden. Monate-, ja jahrelang war das Lokal danach häufiger dicht als geöffnet. Und jeder neue Betreiber startete beinahe bei Null. Mit dem Interimsmanager soll dieser Automatismus ausgehebelt werden. Mehr als das. Oehme soll das Unternehmen auch so aufstellen, dass der Interessent sehen kann: Auch dieses verwinkelte und damit schwierige Lokal kann erfolgreich betrieben werden.

Dass Andreas Pfister (Wirt) und Dirk Diekmann (Geschäftsführer) als Pächter des "Schwatte Päd" schon nach sechs Monaten die Luft ausging, wundert Oehme nicht wirklich. "62 Prozent des Umsatzes fraßen die Personalkosten auf", analysierte er. Also machte er einen Schnitt. Die Ansage bei der ersten Mitarbeiterversammlung war klar: "Wir können das so weiterlaufen lassen, dann stehen in einem Monat alle auf der Straße", stellte Oehme fest und bot alternativ an, ein Stammteam zu bilden, "das dann auch sein Geld bekommt". Vier Mitarbeiter verließen das Team seitdem schon.

Verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen, ist ein Teil des Auftrages für den Sanierer. Das schließt Lieferanten und Händler mit ein. Ein Budget setzt den gebürtigen Berliner in die Lage, Lieferungen auch bar und an Ort und Stelle zu bezahlen. Oehme macht aber auch klar: Für Altverbindlichkeiten der letzten Pächter ist er nicht zuständig. Solche Forderungen sind an den Düsseldorfer Rechtsanwalt Jan-Philipp Hoos zu richten, den Insolvenzverwalter.

Neuanfang heißt für das "Schwatte Päd" auch: Suche nach einem Konzept, das das Haus unverwechselbar macht. Zwei Punkte hat Oehme dabei vor Augen: den Namen ("Warum sieht man hier drin nichts dazu?") und die Historie. Denn das "Päd" ist seit 1604 am Büchel verbrieft und damit eines der ältesten Lokale am Niederrhein. Anlass genug für Oehme, über ein Rittermahl im urigen Keller des großen Lokals als neues Angebot nachzudenken.

(NGZ)