Entwürfe von Edward von Steinle für Kirchenfenster in Neuss entdeckt

St. Stephanus in Neuss : Ein wiederentdeckter Kirchenschatz

Das Clemens-Sels-Museum hat die Ausstellung „Erzählen in Bildern“ um die originalen Entwürfe von Edward von Steinle für St. Stephanus bereichern können.

Für Ulf Sölter war es ein „Riesenmoment“, als ihm klar wurde, dass die Pfarrgemeinde St. Stephanus in Grefrath die Originalzeichnungen des Malers Edward von Steinle verwahrte, der zusammen mit seinem Schüler Leopold Bode im Fokus der Ausstellung „Erzählen in Bildern“ im Clemens-Sels-Museum steht.

Schließlich hatte eine erste Recherche schon zu einer Enttäuschung geführt: „Wir vermuteten“, erzählt der Kunstwissenschaftler, der auch stellvertretender Leiter des Neusser Museums ist, „das von Steinle und Bode an der Innenausstattung des Qurinusmünsters mitgewirkt haben, fanden aber nirgendwo mehr Belege dafür.“

Die drei „Entdecker“ Christoph Dederichs, Ulf Sölter und Pfarrer Michael Tewes (v.l.) in der Kirche St. Stephanus. Foto: Helga Bittner

Dass die Fenster im Chor der Grefrather Kirche nach den Entwürfen des Nazareners entstanden sind, war im Kirchenvorstand natürlich bekannt – auch wenn alle Fenster nach und nach in den 1980er Jahren restauriert worden waren. „Aber auf der Grundlage der Originalzeichnungen von Steinles“, sagt Pfarrer Michael Tewes, „doch kannten wir deren Zustand nicht.“

„Steinigung des hl. Stephanus“ im mittleren Chorfenster. Foto: CMS

Seit mehr als 20 Jahren hatte sie kaum jemand mehr angerührt, im Archiv der Pfarre waren sie gelagert, zusammen mit den anderen Entwürfen der Kirchenfenster (von denen einige Steinle zugerechnet werden, was aber nicht bewiesen werden kann) und nicht besonders sachgerecht, sagt Sölter: „Auf Holzplatten, die am Rand mit Gewebeband eingefasst waren“.

Sowohl bei Tewes wie auch beim geschäftsführenden Kirchenvorstandsvorsitzenden Christoph Dederichs war die Begeisterung über die Originalzeichnungen so groß wie die Bereitschaft, sie fachgerecht restaurieren zu lassen. Rund 4000 Euro steuerte auf Initiative der Grefrahter das Erzbistum Köln zur Aufarbeitung der drei Entwürfe der Chor-Fenster bei, die Rahmung übernahm das Clemens-Sels-Museum. Dass die Gemeinde nun  „museumsreife“ Kunst besitzt, macht die beiden auch ein bisschen stolz. Wenn die Ausstellung zu Ende ist, gehen die Entwürfe wieder in den Besitz von St. Stephanus über. „Wir müssen dann mal schauen, ob und wie wir sie zeigen“, sagt Dederichs, der genau um die Lichtempfindlichkeit der Papierarbeiten weiß.

Alle drei Fenster zeigen Szenen aus dem Leben des heiligen Stephanus (Steinigung, im Streitgespräch mit dem Hohen Rat der Juden und die Wiederauffindung seines Grabes). Zustande kamen sie aus Freundschaft zwischen dem Künstler Edward von Steinle und dem Architekten der Kirche, Vincenz Statz. Häufig hatte von Steinle bei dem Freund gewohnt – etwa, wenn er an seinen Entwürfen für den Kölner Dom arbeitete –, und so bekam er von Statz den Auftrag für die Kirchenfenster in Grefrath. „Aus den Tagebüchern von Leopold Bode wissen wir von der Freundschaft der beiden Männer“, sagt Sölter, „und auch von den Aufträgen und der Umsetzung durch den Glasmaler Johannes Baudri.“ Am 9. Oktober 1864 wurden die Fenster eingesetzt.

Mehr von RP ONLINE