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Neuss: Endlich Digitalfunk für Taxis?

Neuss : Endlich Digitalfunk für Taxis?

Der Vorstand der Interessengemeinschaft Taxizentrale will den Sprechfunk abschaffen. Doch noch ist eine Mehrheit der Unternehmer gegen die Investition. Eine Entscheidung soll nun die Mitgliederversammlung treffen.

Paul Rulf weint nicht gerne vergebenen Chancen nach. Dieser allerdings schon. "Wir hätten die Umstellung auf den Digitalfunk mit dem Umzug der Taxi-Zentrale zur Moselstraße machen sollen", sagt der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Neusser Taxifahrer. Jetzt muss er für dieses Projekt viel Überzeugungsarbeit leisten, das er spätestens bei seiner Pensionierung im Jahr 2013 umgesetzt sehen will. Vor allem im Sinne der Kunden, wie er betont.

Mit dem Neusser Schützenfest beginnen für die Taxifahrer in der Stadt die umsatzstarken Monate. Für Kunden allerdings brechen damit wieder die Zeiten an, in denen sie lange auf den bestellten Wagen warten müssen. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass diese Bestellungen von der Taxizentrale aus immer noch per Sprechfunk weitergegeben werden. "Technik von gestern", sagt Rulf, doch die hat unter den derzeit 71 Taxiunternehmen in Neuss noch eine Mehrheit.

Deutlich wurde das im März, als die Einführung des Digitalfunks in der Mitgliederversammlung zur Abstimmung gestellt wurde. Seitdem arbeitet der IG-Vorstand daran, die neue Technik mit Argumenten mehrheitsfähig zu machen. Dafür besuchte er in Hannover einen Hersteller für Digitalfunkggeräte und in Bielefeld eine derart ausgerüstete Leitstelle. Zuletzt fuhr Rulf nach Bad Wildungen, wo ein Taxizentralen-Kongress tagte. Zurück brachte er neben der Erkenntnis, "dass eine Umstellung wichtig wäre", das Angebot eines Herstellers mit. Drei liegen damit vor, die den Mitgliedern der IG nun vorgestellt werden sollen.

Die Vorteile kann Rulf gar nicht an einer Hand aufzählen: Fahrten werden schneller vermittelt, Funkstörungen ausgeschlossen. Dazu zählt auch, dass derzeit der eigene Funk von Taxen aus anderen Gegenden überlagert wird. Digital kann abgerufen werden, ob ein Halteplatz besetzt ist, Fahrer können Vorbestellungen erkennen, die für sie infrage kommen, und Kreditkarten abrechnen. "Und ein Navigationsgerät ist auch dabei", sagt Rulf. Allerdings haben die Vorteile ihren Preis: bis zu 160 000 Euro.

Das muss erst einmal verdient werden. Gut 2000 Euro für jeden der 81 lizensierten Wagen müssten die Taxibetriebe damit investieren. "Das fällt vielen schwer", sagt Rulf. Denn auch wenn in Neuss noch kein Taxiunternehmen Insolvenz anmelden musste, so ist die Branche doch nicht auf Rosen gebettet. Zumal es die Stadt ihren Fahrern auch nicht immer leicht macht. Die Entscheidung, den Stellplatz Skihalle an Wochenenden für Taxis aus anderen Bezirken zu öffnen, tragen ihr die Neusser weiterhin nach.

(NGZ/rl)