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Neuss: Emotionaler Abschied von Jörg Hübner

Neuss : Emotionaler Abschied von Jörg Hübner

Mit Gottesdienst und roten Rosen verabschiedete die Christuskirchengemeinde am Sonntag ihren langjährigen Pfarrer.

Der Abschied fällt schwer. Bevor Jörg Hübner ein letztes Mal als Pfarrer hinter dem Rednerpult der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche steht, überreichen ihm Gemeindemitglieder 21 Rosen für seine 21 Jahre in der Gemeinde und singen: "Für Dich soll´s rote Rosen regnen."

Gerührt tritt Hübner ans Mikrofon und sagt "Danke". Den Tränen nahe, ringt er um Worte. Mit brüchiger Stimmen fügt er hinzu: "Ihr seid mir in all den Jahren sehr ans Herz gewachsen, ich habe hier viel erlebt und gelernt."

Zu diesem Zeitpunkt liegt ein Gottesdienst, viele persönliche Gespräche und ein offizieller Teil mit Musik und Reden hinter Jörg Hübner. Es ist sein Abschied von der Christuskirchengemeinde, deren Pfarrer er 21 Jahre lang war. Seine Gemeinde verlässt der 50-Jährige, um Direktor der evangelischen Akademie Bad Boll zu werden — die größte und älteste kirchliche Akademie Deutschlands.

In Neuss hinterlässt er eine gut bestellte Gemeinde, die im Juli mit dem Bau eines neuen Gemeindezentrums und eines längst überfälligen Glockenturms beginnen wird. Auch ein Kindergarten und Seniorenwohnungen werden gebaut. "Das alles hast Du noch als Pfarrer mit auf den Weg gebracht", lobte Astrid Irnich, stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums. Auch neue Formen des Gottesdienstes —etwa einen "Krabbelgottesdienst" oder eine neue Lithurgie habe die Gemeinde Jörg Hübner zu verdanken, ebenso einen großen Einsatz für die Ökumene. Außerdem habe der Pfarrer dafür gesorgt, dass die Konfirmanden gut eingebunden werden. Doch auch intellektuelle Veranstaltungen wie den "Einsteintalk" habe Hübner etabliert.

Den lobte auch der stellvertretende Bürgermeister Thomas Nickel: "Sie haben sich immer eingemischt und dafür gesorgt, dass ethische Fragen Aufmerksamkeit bekommen." Seit drei Jahren ist Hübner Professor für Systematische Theologie und Sozialethik an der Ruhr-Universität in Bochum. Der dreifache Familienvater ist Mitherausgeber des Evangelischen Soziallexikons und hat eigene Bücher zur Finanz- und Wirtschaftsethik geschrieben. "Veranstaltungen wie den Einsteintalk kann er bei uns ohne Ende machen", sagte der kommissarische Leiter der Akademie Bad Boll, Günter Renz. Er bat "um Entschuldigung, dass wir Ihnen Jörg Hübner wegnehmen." Der 50-Jährige habe einfach "zu gut gepasst".

"Komm gut an und komm uns auch mal besuchen", sagte Astrid Irnich zum Abschied. Hübner versprach gerührt, dass man sich auch weiterhin an ihn wenden könne. "Mir bleibt nicht anderes zu sagen als Danke für 21 Jahre, die mein Leben geprägt haben."

Schon heute fährt bei Hübner der Umzugswagen vor. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden. "Wir hoffen, spätestens zum ersten Advent einen neuen Pfarrer gefunden zu haben", sagte Astrid Irnich. In der Zwischenzeit werden Kathrin Jabs-Wohlgemuth und Irene Gierke die Gemeinde führen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gemeinde verabschiedet Jörg Hübner

(NGZ/EW)